Mario und der Zauberer

Thomas Manns 1930 erschienene Erzählung „Mario und der Zauberer“ handelt von den Urlaubserlebnissen einer deutschen Familie im faschistischen Italien der 1920er Jahre. Eines der Erlebnisse ist eine Zaubervorstellung des mysteriösen Cavaliere Cipolla. Sie nimmt den Großteil der Erzählung ein.

 

In der Ferienhochsaison verbringt eine deutsche Familie ihren Urlaub in Italien. Die Familie besteht aus den Eltern, einem Sohn und einer Tochter.

 

In Torre di Venere am Tyrrhenischen Meer, dem Handlungsort der Erzählung, sind die Auswirkungen des von Mussolini geführten faschistischen Regimes für die Sommerurlauber deutlich spürbar.
Die Familie des Icherzählers wird konfrontiert mit stark nationalistischer Mentalität, Ungastlichkeit und Prüderie seitens der Italiener. Sowohl bei ihrem ersten Hotelaufenthalt im „Grand Hôtel“ als auch am Strand, wo italienische Urlauber mit Urlaubern aus anderen Ländern zusammentreffen, machen sich die Veränderungen der ideologischen Haltung der Italiener bemerkbar.

 

Trotz verschiedener Unannehmlichkeiten will die Familie den Urlaub nicht vorzeitig beenden. Der Wunsch, nicht vor der Konfrontation mit unangenehmen Situationen wegzulaufen, hält sie von der vorzeitigen Abreise ab.

 

Es gibt dennoch lichte Momente. In der Pensione „Eleonora“ macht die Familie die angenehme Bekanntschaft mit der Vermieterin, Signora Angiolieri. Und im Café „Esquisito“ wird die Familie von dem sympathischen, jungen Kellner Mario bedient.

 

Insgesamt wird die angespannte Stimmung eher durch das Verhältnis der italienischen Urlauber zu den anderen Gästen verursacht und weniger durch die Einwohner Torre di Veneres. Als die italienischen Urlauber nach zweieinhalb Wochen abreisen, entspannt sich die Lage.

 

Nun kommt der Unterhaltungskünstler Cipolla in den kleinen Ort, um eine Abendvorstellung im „Sala“ zu geben. Die deutsche Familie geht zu dieser Aufführung, genau wie andere Touristen und viele Ortsansässige.
Cipollas Auftritt wirkt zunächst einfach ungewöhnlich für den Protagonisten. Der Zauberer kleidet sich auffällig altmodisch. Er unterhält das Publikum zuerst nur durch Charisma und Redekunst. Er trägt eine Reitpeitsche mit sich, die er öfter durch die Luft schlägt und auf den Boden knallen lässt. Es zeigt sich, dass auch Cipolla ein Patriot ist, der mit Stolz davon ausgeht, dass das italienische Volk ein hervorragendes Volk sei. Ungebildete Italiener sind für ihn eine Schande.

Seine Zauberkunststücke bestehen aus Gesellschaftsspielen, arithmetischen Übungen oder Kartentricks.

 

Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass Cipolla die Kunst der Hypnose beherrscht. Er ist dadurch fähig, den Willen der Leute zu kontrollieren. Der Abend entwickelt sich zu einer Demonstration der Machtausübung des Künstlers über Personen aus dem Publikum. Je mehr sich jemand gegen die Gedankenkontrolle wehrt, desto deutlicher zeigt Cipolla seine Fähigkeit, den Willen zu brechen. Er lässt Personen aus dem Publikum unter Hypnose sich vor Schmerzen krümmen, tanzen oder die Zunge herausstrecken. Wie ein Wahrsager kennt er persönliche Geschichten anwesender Leute und erzählt diese dem gesamten Publikum. Das Publikum verfällt zu großen Teilen dem charismatischen älteren Mann.

 

Mit einem schlechten Gefühl sieht der Protagonist dabei zu, wie die Gedankenmanipulation des Zauberers immer merkwürdigere, unheimlichere Formen annimmt.
Obwohl die Situation unbehaglich ist, beschließt die Familie aber – genau wie im ganzen Urlaub zuvor – zu bleiben.

 

Zuletzt wird Mario, der Kellner, Opfer eines Tricks Cipollas. Der junge Mann wird vom Zauberer hypnotisiert und dazu gebracht, seine heimliche Liebe zu Silvestra, einer jungen Frau aus dem Ort, vor dem gesamten Publikum zu gestehen. Anschließend täuscht Cipolla Mario, indem er ihn glauben lässt, er hätte die Angebetete vor sich und nicht den Zauberer. Die Zurschaustellung des Opfers findet ihren Höhepunkt darin, dass Mario von Cipolla dazu gebracht wird, ihn zu küssen. Als er aus der Hypnose erwacht, begreift Mario, was passiert ist, zieht eine Waffe und erschießt Cipolla ohne Zögern. Der Protagonist ist schockiert, aber auch erleichtert über die Auflösung der Situation, aus der er sich nicht aus eigener Kraft hatte befreien können.

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Autor

Thomas Mann

Paul Thomas Mann (geboren 6. Juni 1875 in Lübeck) war Schriftsteller ...

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