Im Krebsgang

Der Journalist Paul Pokriefke schreibt eine Geschichte auf, die mit seinem Leben verknüpft ist:
Das Schiff „Wilhelm Gustloff“, benannt nach einem Nationalsozialisten, der von dem jüdischen Studenten David Frankfurter erschossen wurde, ist 1945 auf dem Weg von Danzig nach Kolberg. Es wird von sowjetischen U-Boot-Torpedos getroffen und geht unter. An Bord sind Tausende deutsche Flüchtlinge, Matrosen und Marinehelferinnen.

 

Unter den Flüchtlingen ist auch die Mutter des Erzählers, Tulla Pokriefke. Sie ist hochschwanger und bringt in der Nacht vom 30. zum 31. Januar 1945 Paul auf einem Rettungsboot zur Welt. Währenddessen sinkt die „Wilhelm Gustloff“ und Abertausende Menschen sterben. Doch Tulla überlebt. Sie ist bis heute nicht müde, ihre Geschichte zu erzählen. Über die Tabuisierung der tragischen Flüchtlingsschicksale Ende des Zweiten Weltkrieges ist sie enttäuscht.

 

Tulla lebt jetzt, in den späten 1990er-Jahren, in Schwerin, zusammen mit ihrem Enkel Konny. Konny ist von seiner Mutter, der Ex-Frau des Erzählers, weggezogen. Er betreibt eine rechtsradikale Website, auf der er Wilhelm Gustloff und die Geschichte des Schiffes glorifiziert.

 

Durch berufliche Internetrecherchen stößt Paul auf die Website und bemerkt, dass es sich bei dem Betreiber um seinen Sohn handelt – er erkennt nämlich die Worte seiner Mutter Tulla wieder. Im Chatroom streitet Konny sich mit dem angeblichen Juden „David“, der ebenso viel Interesse an der Geschichte der „Wilhelm Gustloff“ hat wie Konny, aber eine gegensätzliche politische Meinung vertritt. Die beiden Jungs verabreden sich schließlich in Schwerin, dem Geburtsort Wilhelm Gustloffs. Bei dem Treffen erschießt Konny seinen Feind-Freund, der eigentlich Wolfgang heißt, nachdem dieser auf die ehemalige Gedenkstätte Wilhelm Gustloffs gespuckt hat.

 

Konny kommt für seine Tat sieben Jahre lang ins Gefängnis. Einige Zeit vergeht, doch Konny ist immer noch besessen von der Geschichte der „Wilhelm Gustloff“. Paul macht sich Sorgen um seinen Sohn und fragt sich, inwiefern er Schuld an dessen Entwicklung trägt. Er, der nie seinen Vater gekannt hat, war selbst so gut wie nie für seinen Sohn da.

 

Als Paul wieder im Internet recherchiert, stellt er entsetzt fest, dass es nun eine neue Website gibt: Auf dieser wird sein Sohn Konny von Rechtsradikalen als Held und Vorbild gefeiert.

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Autor

Günter Grass

Der deutsche Schriftsteller Günter Grass wurde am 16.10.1927 in Danzig-Langf...

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