Faust II

Auch im zweiten Teil der Tragödie ist der Wissenschaftler Faust auf der Suche nach dem höchsten Augenblick. Faust kann dank eines Heilschlafes seine begangene Schuld an Margarete vergessen und eröffnet die Handlung der Tragödie Teil II mit neuem Lebensmut und dem wiederkehrenden Bedürfnis, sein Streben nach dem Höchsten weiterzuverfolgen.
Nicht mehr die „kleine Welt“ seines Studierzimmer ist Ausgangspunkt seiner Suche, sondern das reale Weltgeschehen, in dem Mephistopheles sich auch wieder einfindet. So verbindet beide nach wie vor die einst geschlossene Wette, nach der Mephistopheles Fausts Seele erhält, wenn er ihm einen Moment des höchsten Glücks verschafft hat. Sie treffen im Palast des Kaisers aufeinander und erfüllen einen Auftrag des Herrschers. Er wünscht sich das Bild Helenas und Paris‘ herbei, dem antiken Urbild der Schönheit. Faust steigt in die Unterwelt, um beide hervorzuholen. Als Helena und Paris im Palast ihren eigenen Mythos – den Raub Helenas durch Paris – als Pantomime nacherzählen, ist Faust von ihrem Anblick überwältigt. Seine Sehnsucht nach dem einstigen Traumbild im Zauberspiegel wird neu entfacht. So versucht er, sie festzuhalten, als Paris sie im Spiel rauben will. Doch er kann sie nicht halten, und Helena entschwindet ins Nichts.

 

Der daraufhin ohnmächtig gewordene Faust wird von Mephistopheles in sein altes Studierzimmer gebracht, wo sie auf Wagner treffen, der einst Fausts Gehilfe war. Auf dem Höhepunkt seiner alchemistischen Experimente hat dieser es gerade geschafft, den künstlichen, in einer Glasflasche lebenden Menschen Homunculus zu erschaffen. Homunculus weiß um Fausts unstillbare Sehnsucht nach Helena, die er in seinen Träumen erblickt. Um ihn zu heilen, begibt er sich mit ihm und Mephistopheles zu der klassischen Walpurgisnacht, wo er Helena treffen kann.
Dort gelangt jeder für sich zu seinem Ziel: Homunculus‘ Bedürfnis, die Menschwerdung zu erleben, erfüllt sich, als er sich mit Galatee, Zeus‘ Tochter, im Meer vereint und zerfließt. Mephistopheles findet seine Gestalt vorübergehend in Phorkyas, des Chaos‘ Sohn und Personifikation der Hässlichkeit. Faust wird zu Helena in die Unterwelt geleitet. Zurück ins Leben rufen könne er sie nur, so wird ihm klargemacht, wenn er sie als Dichter erscheinen lasse, denn Helena sei ihrem Wesen nach eine fiktive literarische Figur.

 

Helena tritt zunächst allein in Erscheinung, als sie von Troja zurückkehrt. Mephistopheles-Phorkyas klärt sie darüber auf, dass ihr Gatte Menelaos sie als Opfer wolle. Um ihr Weiterleben zu ermöglichen, versetzt er sie in die Zeit des Mittelalters in die mittelalterliche Burg. Hier trifft sie auf Faust, und sie werden Herrscherpaar und Liebespaar in der antiken Kunstlandschaft der Schönheit – Arkadien. Gekrönt wird dieses ideale Leben mit der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Euphorion, der nicht nur äußerst anmutig, sondern auch sehr begabt ist. In der Annahme, er könne sogar fliegen, stürzt sich Euphorion voll Übermut in die Lüfte und verunglückt tödlich. Helena folgt ihrem Sohn in den Hades, und Fausts Glück ist zerstört.

 

Faust stürzt sich zusammen mit Mephistopheles in das politische Weltgeschehen, führt einen erfolgreichen Krieg im Namen des Kaisers und wird zum Dank mit Land belohnt. So verfolgt er seine Idee, dem Meer Land abzugewinnen, um es für ein glückliches Volk bewohnbar zu machen. Faust, nach Macht und Reichtum strebend, verliert dabei seine eigentliche Vision aus den Augen und zerstört Land und Menschenleben. Die Sorge kehrt in sein Haus, er erblindet. Doch Faust verdrängt die Realität. In Gedanken an seine ideale Vision genießt er im Moment seines Todes „den höchsten Augenblick“ (S. 220, Z. 11586).

 

Im Wettstreit mit den himmlischen Heerscharen verliert Mephistopheles Fausts unsterbliche Seele und bleibt verprellt zurück. Fausts Seele wird bis zu der Mater Gloriosa emporgetragen. Dort trifft er auf Margarete, die für ihn als Büßerin um Vergebung bittet. Ihr folgend, kann Faust, frei von seinen Sünden, gerettet werden.

Teilen:FacebookTwitterGoogle+

Autor

Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main gebo...

Andere Zusammenfassung

Deine Meinung ist uns wichtig

*