Leutnant Gustl

Die Novelle handelt von dem 23 Jahre alten Leutnant Gustl, der gelangweilt ein Konzert besucht. Um sich die Zeit zu vertreiben, beobachtet er nicht nur die Frauen im Publikum, sondern reflektiert auch über seine unbefriedigende Lebenssituation.

Im Anschluss an das Konzert gerät Gustl schließlich in Streit mit einem Bekannten, dem Bäckermeister Habetswallner, der den körperlich unterlegenen Gustl wehrunfähig macht. Die Demütigung, als Offizier von einem gesellschaftlich tiefer stehenden Bäckermeister beleidigt worden zu sein, kann Gustl nicht auf sich sitzen lassen. Er beschließt daher, seinem nunmehr durch die Beleidigung unwürdig gewordenen Leben am nächsten Morgen ein Ende zu setzen.

Zunächst läuft Gustl jedoch ziellos durch das nächtliche Wien und gelangt schließlich zum Wiener Prater, wo er immer stärker mit seinem Schicksal hadert und vergeblich um alternative Lösungen ringt. Erschöpft schläft er auf einer Parkbank ein. Als Gustl drei Stunden später wieder erwacht, macht er sich auf den Rückweg, um seinem Leben, wie geplant, ein Ende zu setzen. Zuvor jedoch möchte er noch ein letztes Mal in seinem Kaffeehaus ein Frühstück zu sich nehmen.

Als ihm der dort arbeitende Kellner jedoch davon berichtet, dass der Bäckermeister Habetswallner in der Nacht überraschend verstorben sei, lässt der erleichterte Gustl seine Suizidpläne umgehend fallen. Stattdessen widmet er sich nunmehr der Planung des kommenden Tages, dessen Höhepunkt das für den Nachmittag angesetzte Duell bilden wird. Mit den Gedanken an die Vernichtung seines Gegners endet die Novelle.

Biedermann und die Brandstifter

Im Mittelpunkt von Max Frischs „Lehrstück ohne Lehre“ steht der Haarwasserfabrikant Gottlieb Biedermann, der aus Feigheit und Ignoranz nichts gegen das hereinbrechende Böse unternimmt.

Zu Beginn der ersten Szene trinkt Biedermann in seinem Wohnzimmer Wein und liest in der Zeitung den Bericht über einen erneuten Brandanschlag. Als daraufhin das Hausmädchen Anna die Ankunft eines Hausierers mit Namen Schmitz meldet, will Biedermann ihn sogleich hinauszuwerfen, aber stattdessen lädt er ihn zum Essen ein, woraufhin dieser Biedermanns Zivilcourage lobt.

 

Biedermanns Unmenschlichkeit zeigt sich an der herzlosen Kündigung seines langjährigen Mitarbeiters Knechtling. Um dennoch die von Schmitz gelobte Menschlichkeit unter Beweis zu stellen, gewährt Biedermann Schmitz Obdach auf seinem Dachboden. Biedermanns Frau befürchtet zwar, es könne sich bei Schmitz um einen Brandstifter handeln, aber die gestattet am nächsten Tag Schmitz und seinen Freund Eisenring den Aufenthalt in ihrem Haus.

 

Während der Nacht schleppen Schmitz und Eisenring Benzinfässer auf Biedermanns Dachstuhl. Biedermann ist sauer über den nächtlichen Lärm und möchte Schmitz am nächsten Morgen vor die Tür setzen, aber er lässt sich von ihm besänftigen. Er erfährt, dass die beiden Männer in den Fässern Benzin transportiert haben, aber  er verschweigt die Gefahr, in der er sich befindet, sogar gegenüber dem Polizisten. Er erklärt, dass man Vertrauen schenken müsse. Vor dem Abendessen hilft er sogar Eisenring beim Verlegen der Zündschnur.

 

Während des Abendessens versucht Biedermann,  die Bekenntnisse seiner Gäste als Scherze zu deuten. Als in der Ferne Sirenen zu hören sind, erklären Schmitz und Eisenring ihm ganz offen, dass sie Brandstifter sind. Biedermann möchte ihnen immer noch nicht glauben und gibt ihnen sogar Streichhölzer. Die Explosion der Gasometer verdeutlicht, dass die Brandstifter ihr Werk vollendet und Biedermanns Haus in Brand gesetzt haben.

 

In der Hölle angekommen, treffen Biedermann und Babette Schmitz und Eisenring, der in der Rolle des Teufels erscheint, wieder. Sie wollen jedoch ihren Glauben bewahren und auf ihre Rettung vertrauen.

Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Johanna Dark, Mitglied der Heilsarmee „Die Schwarzen Strohhüte“, will den verarmten Fleischfabrikarbeitern von Chicago das Wort Gottes nahebringen. Eine Welle von Fabrikschließungen veranlasst Johanna dazu, sich mit dem „Fleischkönig“ Pierpont Mauler auseinanderzusetzen, einem überzeugten Kapitalisten, der den Fleischmarkt heimlich im Hintergrund manipuliert, um die Preise nach oben zu treiben und sich zu bereichern. In ihrem vergeblichen Bemühen darum, Maulers menschliche Seite anzusprechen und die Arbeitsplätze zu sichern bzw. wiederherzustellen, macht Johanna aber alles nur noch schlimmer und verschafft Mauler ungewollt die Kontrolle über den gesamten Fleischmarkt.

 

Als Johanna davon erfährt, dass die Fabriken noch immer geschlossen sind, überwirft sie sich zuerst mit den Strohhüten, dann mit Mauler und beschließt, die arbeitslosen Armen vor den Fabriken direkt zu unterstützen. Während sich Johanna den Gewerkschaften als Botin zur Ankündigung eines Generalstreiks anbietet, der die Bevölkerung auf das Elend der Arbeitslosen aufmerksam machen soll, treiben Mauler und sein Makler Slift die Fleischpreise an der Viehbörse dermaßen zügellos in die Höhe, dass der gesamte Markt kollabiert. Gleichzeitig kommen Johanna Zweifel an dem Sinn ihres Botengangs und sie flieht von den Schlachthöfen, ohne den Brief mit der Streikankündigung überbracht zu haben. Bald darauf erfährt sie jedoch, dass sie durch ihre Unterlassung genau die militärische Gewalt gegen die Arbeiter heraufbeschworen hat, die sie eigentlich verhindern wollte.

 

Während sie, von tiefen Schuldgefühlen geplagt, umherirrt, verbünden sich die mittlerweile bankrotten Strohhüte mit dem ebenfalls ruinierten Mauler und den übrigen Fabrikanten: Ein Brief aus der New Yorker Wall Street bringt sie auf die Idee, den Handel einzuschränken, sodass weniger Arbeiter zu geringeren Löhnen als zuvor eingestellt werden können. Als Johanna dies Vorhaben zu Ohren kommt, bricht sie bewusstlos im Schneegestöber zusammen. Sie wird ins Haus der Strohhüte getragen, in dem beschlossen wird, sie zur Heiligen zu stilisieren. Johanna stirbt an einer Lungenentzündung und ihr letztes Aufbegehren geht im Lärm der sie umgebenden Kapitalisten unter.

Bahnwärter Thiel

Die Novelle „ Bahnwärter Thiel” handelt von einem Bahnarbeiter, der eine Psychose entwickelt und zum Mörder wird. Er lebt in der Kolonie Schön-Schornstein in der Nähe von Erkner. Sein Arbeitsplatz ist ein Wärterhäuschen im nahegelegenen Kiefernforst.

 

Thiel verliert seine Frau Minna kurz nach der Geburt ihres Sohnes Tobias. Mit Minna verbindet den Bahnwärter eine innige, geistige Liebe. Thiel führt diese Verbindung auch nach ihrem Tode fort, indem er bei seinen Diensten im einsamen Wärterhäuschen ihrer immer gedenkt. Er führt private Zeremonien für sie durch und steigert sich dabei manchmal derartig in eine Trance hinein, dass er die Verstorbene vor sich zu sehen glaubt.

 

Um Tobias zu versorgen, heiratet Thiel die streitsüchtige und grobschlächtige Kuhmagd Lene. Er bekommt mit ihr noch ein Kind. Thiel empfindet Lene gegenüber einen starken sexuellen Trieb und fühlt sich ihr daher machtlos ausgeliefert. Er sieht sich außerstande, dann einzugreifen, wenn Lene seinen geliebten Tobias misshandelt, obwohl dies für ihn kaum zu ertragen ist. Thiel leidet unter diesem Zustand. Während seiner einsamen Nachtdienste durchlebt er Wahnvorstellungen und erleidet Angstanfälle.

 

Thiel bekommt einen Acker geschenkt, der neben dem Wärterhäuschen liegt. Lene begleitet ihn eines Tages mit den Kindern zum Dienst, um das Land zu bestellen. Thiel warnt Lene davor, Tobias zu nahe an die Gleise heranzulassen. Doch genau das geschieht und Tobias gerät unter einen Zug. Er wird schwer verletzt und in Begleitung von Lene nach Friedrichshagen gebracht, um dort von einem Arzt behandelt zu werden.

 

Thiel glaubt, dass Tobias sterben wird. Er fleht zum Himmel, Minna möge ihm Tobias zurückgeben. Er verspricht ihr, dafür Lene totzuschlagen. Als er das Baby, das Lene auf dem Acker zurückgelassen hat, schreien hört, geht er hin und erwürgt es in seinem Wahn beinahe.

 

Nachts kommt Lene schließlich zurück. Tobias ist gestorben. Seine Leiche wird im Wärterhäuschen abgelegt. Thiel erleidet einen Zusammenbruch und muss auf der Trage von einigen Männern nach Hause transportiert werden. Lene und das Baby begleiten ihn.

 

Die Männer kehren zum Wärterhäuschen zurück, um Tobias‘ Leiche zu holen. Als sie wieder am Haus des Bahnwärters ankommen, finden sie Lene tot mit zertrümmertem Kopf vor und das Baby ebenfalls tot mit durchschnittener Kehle. Thiel wird am nächsten Tag an der Unfallstelle aufgefunden und gleich in die psychiatrische Abteilung der Charité Berlin eingewiesen.

Das Leben des Galilei

Zu Beginn des Stückes arbeitet der 45-jährige Galilei als Dozent an der Universität von Padua,  er lebt in bescheidenen Verhältnissen und muss zusätzlich Privatschüler unterrichten, um seine Familie ernähren zu können. Aufgrund seiner finanziellen Lage rät ihm aber der Kurator der Universität, etwas Praktisches zu erfinden, was Galilei Geld einbringen könnte. Galilei hat durch Zufall erfahren, dass in Holland das erste Fernrohr erfunden wurde. Er macht sich daran, ein Teleskop zu bauen, und präsentiert er schließlich als seine eigene Erfindung.

 

Galilei nutzt das Fernrohr für seine eigene Studien und macht bahnbrechende Entdeckungen, die die Lehre des Kopernikus bestätigen: Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern bewegt sich um die Sonne. Galileis Freund Sagredo erkennt die Gefährlichkeit, die diese neue Theorie in sich birgt, da sie die kirchliche Lehre radikal verwirft. Er erinnert Galilei an das Schicksal des Philosophen und Astronomen Giordano Bruno, der aufgrund ähnlicher Annahmen nur zehn Jahre zuvor auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

 

Galileis Betrug mit der Erfindung des Teleskopes wird mittlerweile  aufgedeckt. Um seine finanzielle Situation zu verbessern, wechselt Galilei an den Hof von Florenz, wo er als  Hofmathematiker angestellt wird. Da Florenz sehr stark mit dem kirchlich beherrschten Rom verbunden ist, ist Galileo zunehmend der Beobachtung durch die kirchliche Inquisition ausgesetzt.

 

Seine Theorien müssen geprüft werden. Selbst als die Prüfung des Collegium Romanum die Richtigkeit der Lehre Galileis bestätigt, wird er von der Kirche  ermahnt: Seine Gedanken sollen einzig als mathematische Hypothesen bestehen bleiben. Galilei  erhält nachfolgend ein Forschungsverbot erteilt, er forscht aber im Verborgenen  weiter.

 

Als ein neuer Papst ernannt wird, hofft Galilei auf seine Gunst. Seine Lehre hat mittlerweile auch im Volk große Verbreitung gefunden. Der Papst lässt Galilei aber vor das Inquisitionsgericht führen. Einige Wochen später widerruft Galilei seine Lehre vor dem Inquisitionsgericht. Seine einstigen Schüler wenden sich enttäuscht von ihm ab. Galilei lebt unter Arrest auf dem Land; seine Forschung wird von der Kirche streng  überwacht.

 

Mittlerweile ist Galilei sehr krank und  fast erblindet. Eines Tages kommt sein ehemaliger Schüler Andrea zu Besuch. Galilei teilt ihm mit, dass er heimlich eine Abschrift seines Werkes ‚Discorsi‘ vorgenommen hat. Er übergibt Andrea die Verantwortung, das Dokument nach Holland zu schmuggeln.

Galilei glaubt, dass er die Wissenschaft verraten hat. Es gelingt Andrea, das Manuskript über die Grenze zu bringen. Galileis Erkenntnisse und Lehrgrundsätze werden durch ihn weitergetragen.

 

 

Der kleine Prinz

Die 1943 erschienene Erzählung „Der kleine Prinz“ von Antoine Saint-Exupéry handelt von einem Piloten, dem Icherzähler, der nach einer Flugzeugpanne in der Wüste die Bekanntschaft des kleinen Prinzen macht, der von einem anderen Planeten stammt. Bei ihrer ersten Begegnung zeichnet der Erzähler dem kleinen Prinzen ein Schaf. Damit freunden sie sich an. Tag für Tag erfährt der Erzähler mehr von der Heimat und der Reise des kleinen Prinzen.

 

Der kleine Prinz stammt vermutlich von einem fernen Asteroiden, wo er zusammen mit drei Vulkanen und einer Blume wohnt. Er hat seinen Planeten verlassen, weil er zu viele Differenzen mit seiner eitlen und anspruchsvollen Blume hatte. Auf seiner Reise besuchte er sechs Planeten und traf dabei merkwürdige, einsame Figuren: einen König, einen Eitlen, einen Säufer, einen Geschäftsmann, einen Laternenanzünder und einen Geographen.

 

Auf der Erde angekommen, trifft der kleine Prinz zunächst auf eine Schlange, die ihm anbietet, ihm eines Tages zu helfen, falls er sich zu sehr nach seinem Planeten sehnen würde. Er kommt anschließend in einen Rosengarten, in dem er viele Blumen sieht, die genauso aussehen wie seine Blume daheim. So realisiert er, dass die Blume, die er immer für einzig gehalten hat, nur eine gewöhnliche Rose ist, und weint.

 

Daraufhin trifft er auf den Fuchs, der von ihm gezähmt werden möchte und ihm so zeigt, was es bedeutet, Freundschaft zu schließen. Zum Abschied verrät der Fuchs dem kleinen Prinzen noch sein Geheimnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ So erkennt der kleine Prinz, dass seine Rose trotzdem einzig ist.

 

Nachdem der kleine Prinz seine Geschichte erzählt hat, ist der Wasservorrat des Erzählers aufgebraucht. Aus diesem Grund macht er sich mit dem kleinen Prinzen auf die Suche nach einem Brunnen, den sie schließlich auch finden. Der kleine Prinz möchte zurück auf seinen Planeten und verabredet sich mit der Schlange, die ihm dabei helfen kann.

 

Der Pilot hat unterdessen sein Flugzeug repariert. Er ahnt, dass der kleine Prinz zu seinem Planeten zurückkehren will, und verabschiedet sich wehmütig von ihm. Das Einzige, was ihm bleibt, ist die sehnsüchtige Betrachtung des Sternenhimmels, in der Hoffnung, dass sich der kleine Prinz dort irgendwo befindet. Am Schluss bittet der Erzähler die Kinder, sich bei ihm zu melden, falls sie dem kleinen Prinzen begegnen sollten.

Irrungen Wirrungen

Die Handlung des Romans spielt im Berlin der 1870er-Jahre. Die kleinbürgerliche Lene Nimptsch und der adelige Botho von Rienäcker verlieben sich ineinander. Obwohl sie wissen, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat, genießen sie die Zeit zusammen. Botho besucht Lene oft in dem Gartenhäuschen in der Nähe des Zoologischen Gartens, das sie mit ihrer Pflegemutter bewohnt. Einmal machen die beiden einen Ausflug nach Hankels Ablage, wo sie auch übernachten. Doch am zweiten Tag kommen Bothos adelige Freunde zum Ausflugsort und stören die romantische Stimmung.

 

Bothos Familie steckt in einer finanziellen Krise. Nur durch eine Eheschließung mit seiner reichen Cousine, Käthe von Sellenthin, kann Botho seine Familie vor dem sozialen Abstieg bewahren. Botho ist zwar sehr in Lene verliebt, doch er trennt sich von ihr und heiratet Käthe. An dieser Frau, die immer albern und oberflächlich ist, findet er allerdings nie etwas Besonderes.

 

Als Lene eines Tages das frisch vermählte Paar, das in ihrer Nähe wohnt, auf der Straße sieht, erleidet sie einen Zusammenbruch. Sie zieht mit ihrer Pflegemutter um. Die Nimptschs bekommen einen neuen Nachbarn, den Fabrikleiter Gideon Franke. Er interessiert sich für Lene und macht ihr bald einen Heiratsantrag. Lene will ihn gern annehmen, doch sie erzählt Gideon von ihrem früheren unehelichen Verhältnis zu Botho. Noch bevor Gideon und Lene heiraten, verstirbt die alte Mutter Nimptsch.

 

Gideon besucht Botho. Er will herausfinden, was hinter der Geschichte, die Lene ihm erzählt hat, steckt. Botho ist bestürzt, als er von Lenes Verlobung und vom Tod der alten Nimptsch erfährt. Er rät Gideon, Lene zu heiraten, denn sie sei eine sehr gute Frau. Nachdem Gideon gegangen ist, bleibt Botho emotional aufgewühlt zurück.

 

Seine Frau Käthe ist zur Kur gefahren, und Botho nutzt die Einsamkeit, um alte Liebesbriefe von Lene hervorzuholen. Er verbrennt sie schließlich im Kamin, doch er fühlt sich danach immer noch nicht befreit von seiner alten Liebe zu Lene. Als Käthe wiederkehrt, führt Botho seine Zweckehe mit ihr wie gewohnt fort. Eines Tages erfährt er durch eine Heiratsannonce in der Zeitung von Lenes Vermählung mit Gideon.

Unterm Rad

Hans Giebenrath ist ein hochbegabter Schüler und der Beste auf seiner Schule. Daher steht ihm die Möglichkeit offen, zum Landesexamen nach Stuttgart zu gehen. Um in Stuttgart erfolgreich zu sein, lernt Hans Giebenrath mit der Unterstützung durch den Direktor, den Dorfpfarrer und verschiedene Lehrer schon Wochen vorher täglich. Zum Leid Hans Giebenraths bleibt es ihm im Sommer aufgrund dessen verwehrt, sich etwa um seinen Kaninchenstall zu kümmern oder angeln zu gehen. Hans soll und darf nur lernen – ein Aufwand, der sich letztlich bezahlt macht: Hans schließt als Zweitbester ab und darf auf das Seminar in Maulbronn gehen.

Danach kann Hans die Sommerferien genießen, doch schon bald lässt er sich dazu überreden, intensiv zu lernen und sich auf das Seminar vorzubereiten. Hans´ freie Zeit ist somit dahin und er ist wieder vollständig mit Lernen ausgelastet.

Als der Herbst naht, geht Hans nach Maulbronn. Dort freundet er sich schon bald mit Heilner an. Als Heilner nach einer Prügelei zur Strafe in den Karzer muss, wird er in Maulbronn zum Außenseiter. Auch Hans bringt nicht den Mut auf, zu seinem Freund zu stehen und die beiden gehen sich in der Folge aus dem Weg. Erst als Heilner krank wird und Hans ihm einige Krankenbesuche abstattet, finden die beiden Junge  wieder zueinander. Nun wird auch Hans von den anderen Schülern gemieden. Wenig später wird Heilner aufgrund eines Fluchtversuchs aus Maulbronn aus dem Seminar herausgeworfen. Hans geht es inzwischen sehr schlecht, seine schulischen Leistungen lassen stark nach. Schließlich wird er auf einen Erholungsurlaub geschickt.

Als Hans in seine Heimat zurückkehrt, kümmern sich seine früheren Unterstützer nicht mehr um ihn. Doch während er Schumacher Flaig beim Keltern von Äpfeln hilft, trifft der Junge auf Flaigs Nichte Emma. Am Abend beobachtet er Emma heimlich in ihrem Zimmer, sie bemerkt Hans und gibt ihm einen Kuss. Zu seinem erneuten Leid erfährt er aber am nächsten Tag, dass Emma bereits wieder nach Heilbronn abgereist ist.

Dann beginnt Hans eine Mechanikerlehre. Hier trifft er seinen ehemaligen Schulkameraden August wieder. Dieser nimmt Hans eines Sonntags mit nach Bielach und lädt ihn zum Biertrinken ein. Nachdem die Jungen in zwei Wirtshäusern waren, will Hans nach Hause, weil er sehr betrunken ist. Auf dem Heimweg fällt er in einen Fluss und wird aus diesem am nächsten Tag tot geboren.

Leonce und Lena

Die Hauptbeschäftigung des Prinzen Leonce vom Königreich Popo ist die Langeweile: Die Welt, sein Leben, seine Verpflichtungen, seine Geliebte – alles ödet ihn an. Ein wenig Zerstreuung findet er einzig in der Gesellschaft des Müßiggängers Valerio. Als Leonces Vater König Peter ihn verheiraten will, beschließt Leonce, gemeinsam mit Valerio außer Landes zu fliehen. Er will eine Frau nach seinem Idealbild finden: Gut aussehend und einfältig. Ohne dass die beiden davon wissen, macht sich jedoch auch Leonces zukünftige Braut, Prinzessin Lena des Königreiches Pipi, auf Anraten ihrer Gouvernante aus dem Staub. Denn Lena will lieber sterben, als einen Mann zu heiraten, den sie nicht kennt. Der Zufall veranlasst alle vier, am selben Wirtshaus Rast zu machen.

 

Als Leonce und Valerio abends angetrunken im Garten des Wirtshauses sitzen, stoßen Lena und die Gouvernante hinzu. Leonce und Lena verlieben sich sofort ineinander und treffen sich später in der Nacht gegen die Ratschläge ihrer Begleiter noch einmal im Freien wieder. Dort kommen sie einander mit poetischen Worten näher, doch als Leonce Lena umarmt und küsst, ergreift sie die Flucht. Valerio kann Leonce nur knapp davon abhalten, Selbstmord zu begehen. Daraufhin unterbreitet Leonce ihm sein Vorhaben, die vermeintliche Unbekannte zu heiraten. Valerio ersinnt einen Plan, wie dies mit König Peters Segen gelingen kann. Im Gegenzug erbittet er sich einen Ministerposten in Leonces zukünftiger Regierung.

 

Am Hochzeitstag betreten Valerio, Lena, Leonce und die Gouvernante maskiert das Schloss König Peters. Valerios List besteht darin, dass er sich und seine Begleiter als Gruppe von menschenähnlichen Automaten vorstellt: Lena und Leonce seien Automaten, die den Mechanismus der Liebe vorführten, und müssten zur Perfektion der Darbietung bloß noch verheiratet werden. König Peter beschließt daraufhin, die vermeintlich abwesenden Prinz und Prinzessin symbolisch in Form der ‚Automaten‘ zu vermählen. Als die Trauung vollzogen ist und die Vier ihre Masken lüften, erkennen auch Leonce und Lena, dass sie von Anfang an miteinander verlobt waren. König Peter übergibt seinem Sohn die Regierungsgeschäfte, Valerio wird Staatsminister und das junge Königspaar beschließt, das Reich nach seinen eigenen Fantasien umzugestalten.

Der zerbrochene Krug

Im Mittelpunkt von Kleists Lustspiel steht der Dorfrichter Adam, der in dem Stück die Rolle des gegen sich selbst ermittelnden Richters spielt. Die Meldung, dass gleich der Revisor Walter bei ihm eintreffen werde, um seine Amtsführung und die Kassen zu überprüfen, versetzt Adam allerdings in Panik. Zusätzliche Sorge bereitet ihm der Verlust seiner Perücke.

 

Frau Marthe Rull fordert Gerechtigkeit für den zerbrochenen Krug, der in der Kammer ihrer Tochter Eve zerstört wurde, wodurch auch das Ansehen Eves zu Schaden gekommen ist. Sie beschuldigt Eves Verlobten Ruprecht, die Tat begangen zu haben. Ruprecht wiederum beteuert seine Unschuld, seinerseits davon überzeugt, dass Eve ihn mit seinem Konkurrenten Leberecht betrogen habe.

 

Adam verstrickt sich in seinem Bemühen, den Verdacht von sich abzulenken. Aus Angst um ihren Verlobten, den angeblich nur ein Attest Adams vor dem Militärdienst in Ostindien bewahren kann, verschweigt Eve zwar den Namen des Schuldigen. Bis zum Schluss auf Vertuschung bedacht, schließt sich Adam der Vermutung der abergläubischen Nachbarin an und behauptet, bei dem Täter könne es sich nur um den Teufel handeln. Als er von dem Schreiber Licht jedoch durch das Aufsetzen seiner verlorenen Perücke, die die Nachbarin zufällig gefunden hat, eindeutig überführt wird, spricht er in einem grotesken Fehlurteil Ruprecht schuldig.

 

Eve bricht ihr Schweigen und benennt Adam als denjenigen, der den Krug zerschlagen hat. Nachdem Adam geflohen ist, vertraut Eve Walter die ganze Wahrheit an: Adam hatte sie mit dem Attest für Ruprecht erpresst und als Gegenleistung sexuelle Dienste von ihr eingefordert. Das Stück endet mit der Versöhnung der Liebenden und Walters Ankündigung, Adam nicht zu streng bestrafen zu wollen.

Der Verschollene

Der sechzehnjährige Protagonist in Franz Kafkas Roman „Der Verschollene“, Karl Rossmann, wird  von seinen Eltern nach Amerika verbannt. Noch auf dem Schiff nach Amerika lernt Karl durch einen Zufall seinen Onkel Jakob kennen, den Karl nur aus Erzählungen kennt. Der Onkel ist hoch erfreut, Karl gefunden zu haben, und nimmt ihn wie einen eigenen Sohn bei sich auf.

 

Karl lernt zwei Geschäftsfreunde seines Onkels kennen und wird von dem einen, Herrn Pollunder, in sein Landhaus eingeladen. Er nimmt die Einladung für den nächsten Tag an und widersetzt sich damit der Bitte seines Onkels, zu Hause zu bleiben und die Reise zu vertagen. Auf dem Landgut angekommen, kündigt sich überraschend auch der zweite Geschäftsfreund, Herr Green, an, der mit ihnen gemeinsam zu Abend essen will.

 

Der Abend entwickelt sich hin zum Negativen. Als sich Karl den Verführungsversuchen Klaras widersetzt und sie eine Rauferei mit ihm anfängt, will Karl zu seinem Onkel zurückkehren. Doch Herr Green hält ihn bis Mitternacht zurück, und zwar mit der Begründung, dass er ihm dann etwas übergeben müsse. Erst kurz nach Mitternacht erhält Karl von ihm einen Brief seines Onkels, in dem dieser ihm mitteilt, dass er tief enttäuscht über Karls eigenmächtige Entscheidung ist und ihn deshalb nicht mehr bei sich aufnehmen will.

 

Mit einem Ticket nach San Francisco ist Karl wieder auf sich allein gestellt. Er schließt sich zwei arbeitssuchenden Maschinenschlossern, Delamarche und Robinson,  an, die ihn aber nur finanziell ausnutzen. Karl erhält eine Stelle als Liftjunge im Hotel Occidental. Als aber eines Tages der sturzbetrunkene Robinson im Hotel auftaucht, nimmt das Unglück seinen Lauf: Da Karl für eine kurze Zeit unerlaubt seinen Posten verlässt, wird er vom Oberkellner trotz der Fürsprache der Oberköchin entlassen.

 

Nachdem Karl das Hotel verlassen hat, wird er aber mit Robinson von einem Chauffeur vor einem Hause abgesetzt, aus dem Delamarche plötzlich herauskommt. Delamarche ist inzwischen eine Liebesbeziehung zu Brunelda eingegangen, einer ehemaligen Sängerin, die mit ihm und Robinson eine Wohnung in dem Haus bezogen hat.

 

Delamarche rettet Karl vor der Verhaftung durch einen Polizisten und nimmt ihn mit in seine Wohnung. Karl erfährt, dass Robinson nur als Diener der Sängerin Brunelda geduldet wird. Da Robinson, der von Delamarche und Brunelda schikaniert und misshandelt wird, für die Arbeit mittlerweile körperlich zu debil ist, soll Karl seinen Dienst übernehmen.

 

Nach einiger Zeit als Diener Bruneldas findet er eine neue Stelle als technischer Arbeiter bei dem Naturtheater von Oklahoma. Unter den anderen Mitarbeitern trifft er auch Giacomo wieder, einen ehemaligen Liftjungen aus dem Hotel Occidental. Gemeinsam mit dem Theater reisen sie  in dem Zug durch die Landschaft Amerikas.

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Die Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ berichtet von einer jungen Frau, die auf einer Tanzparty einen jungen Mann kennenlernt, mit dem sie später die Nacht verbringt. Am folgenden Tag stellt sich heraus, dass es sich bei dem Mann um einen gesuchten Verbrecher handelt. Daraufhin wird ihre Wohnung von bewaffneten Polizisten gestürmt.

 

Sie wird zum Verhör abgeführt und obwohl sie beteuert, den Mann erst am Abend zuvor kennengelernt zu haben, wird ihr unterstellt, seine Komplizin zu sein. Am folgenden Tag veröffentlicht die ZEITUNG einen Artikel über Blum, in dem falsche Anschuldigungen und vertrauliche Informationen aus dem Verhör enthalten sind. Von diesem Zeitpunkt an beginnt der gesellschaftliche Abstieg von Katharina Blum und von den ihr nahestehenden Menschen.

 

In systematischer Weise vernichtet die ZEITUNG durch ihre Artikel die Existenz der jungen Frau. Daraufhin bietet sie dem federführenden Reporter Tötges ein Exklusivinterview an, zu dem sie ihn in ihre Wohnung einlädt. Dort aber erschießt sie ihn, als er sie sexuell bedrängt, und stellt sich anschließend freiwillig der Polizei. In der Folgezeit leiden ihre Bekannten und Freunde weiterhin unter den Artikeln der ZEITUNG, die das Ehepaar Blorna, für das Blum als Hauswirtschafterin arbeitete, bis in den finanziellen und gesellschaftlichen Ruin treibt.

Damals war es Friedrich

Im Haus von Herrn Resch wohnen zwei Familien: Die Familie des Icherzählers und die Schneiders mit ihrem Sohn Friedrich. Die im Jahr 1925 geborenen Jungen werden Spielkameraden und auch zwischen ihren Familien entwickelt sich eine Freundschaft. Dass die Schneiders jüdischen Glaubens sind, ist eine Nebensächlichkeit.

 

Doch ab 1933 nehmen die öffentlichen Angriffe auf die Juden zu. Herr Schneider verliert trotz seines Beamtenstatus seine Arbeit, findet aber zunächst noch eine Stellung in einem jüdischen Kaufhaus. Der Wohnungskündigung durch ihren antisemitischen Vermieter Resch entgehen die Schneiders nur knapp.

 

Obwohl der Icherzähler und seine Familie das NS-Gedankengut nicht teilen, gliedern sie sich in die neue Ordnung ein. Der Erzähler wird Mitglied beim ‚Deutschen Jungvolk‘ und sein arbeitsloser Vater tritt in die NSDAP ein – in der Hoffnung, dass ihm die Parteimitgliedschaft endlich zu einer Anstellung verhelfen wird.

 

Was er auf den Parteiabenden erfährt, beunruhigt ihn aber zutiefst und er legt Herrn Schneider nahe, Deutschland zu verlassen. Herr Schneider vertraut jedoch auf die Menschlichkeit eines zivilisierten, modernen Staates, in dem die Juden zwar benachteiligt werden, aber nicht um ihr Leben fürchten müssen.

 

Friedrich muss derweil auf eine jüdische Schule wechseln und erlebt immer öfter Ungerechtigkeiten und Erniedrigungen aufgrund seiner jüdischen Abstammung. Der Erzähler bleibt ein guter Freund, doch selbst er gerät bei einem Pogrom im Jahr 1938 in einen Zerstörungsrausch und macht mit, als ein  jüdisches Lehrlingsheim zertrümmert wird. Am selben Tag wird auch die Wohnung der Schneiders gestürmt und die Einrichtung zerschlagen. Frau Schneider stirbt an den Folgen des Überfalls.

 

Ab jetzt leben Friedrich, sein Vater und ein Rabbi, den sie versteckt halten, zurückgezogen und in ständiger Angst. Herr Schneider und der Rabbi werden 1941 schließlich von der Polizei abgeholt. Friedrich entgeht der Verhaftung und taucht unter.

 

An einem Tag des Jahres 1942 kümmert sich die Familie des Erzählers gerade um den schmutzigen, hungrigen Friedrich, als Fliegeralarm gegeben wird. Friedrich soll den bevorstehenden Luftangriff in der Wohnung abwarten, doch die Bombeneinschläge ängstigen ihn so sehr, dass er dennoch zum Luftschutzkeller läuft, an dessen Eingang Herr Resch als Luftschutzwart ihm den Zutritt verweigert. Friedrich geht in die Bombennacht hinaus und kommt ums Leben.

Romeo und Julia

Zu Beginn des Stücks tritt ein Chor auf, der dem Leser von der Feindschaft zwischen den Capulets und Montagues und dem tragischen Ende der Liebe zwischen Romeo und Julia berichtet. Im ersten Akt bekämpfen sich die Gefolgsleute der beiden Familien auf einem Platz in Verona, ein Kampf, der erst durch Escalus, den Prinzen von Verona, unterbunden wird. Danach taucht Romeo auf und beklagt seinen Liebeskummer Rosalinde betreffend. Paris hält indes erfolgreich um Capulets Tochter Julia an. Am selben Abend veranstaltet Capulet einen Maskenball. Romeo und Benvolio erfahren zufällig, wer die Gäste auf dem Ball sein werden, und fassen den Beschluss, auch dort hinzugehen.

 

In der nächsten Szene findet die Feier statt. Dort verliebt sich Romeo in Julia und kämpft mit Tybalt. Danach tritt der Chor auf, der von Romeos alter und neuer Liebe berichtet. Romeo verlässt die Feier, schleicht sich aber heimlich zu Julias Fenster. Hier bekennen Romeo und Julia einander ihre Liebe zueinander. Am nächsten Tag bittet Romeo Bruder Lorenzo um die Vermählung mit Julia. Später am Tag heiraten die beiden.

 

Danach kommt es zwischen Mercutio und Tybalt zum Kampf. Dabei tötet Tybalt Mercutio. Aus Wut darüber tötet Romeo Tybalt, woraufhin Romeo ins Exil fliehen muss. Romeo und Julia können sich vorher aber noch treffen. Nachdem Romeo und Julia ihre Hochzeitsnacht gemeinsam verbracht haben, verlässt Romeo heimlich das Haus der Capulets. Danach erfährt Julia, dass die Capulets Blutrache für Tybalts Tod geschworen haben. Paris treibt seine Hochzeitspläne voran und Julia äußert gegenüber Lorenzo den Wunsch, zu sterben. Der Mönch schlägt eine List mit einem Trank vor, der Julia 42 Stunden wie tot erscheinen lassen wird. So soll sie in eine Gruft gelangen und später von Romeo befreit werden. Am Abend vor der Hochzeit mit Paris setzt Julia den Plan in die Tat um.

 

Romeo glaubt fälschlicherweise, dass Julia tot sei. Daraufhin besorgt er sich von einem Apotheker Gift, um Selbstmord zu begehen. Lorenzos Bote soll Romeo indes von der List unterrichten, erreicht Romeo aber nicht. Dennoch erscheint Romeo an der Gruft und will Julia befreien. Paris bewacht die Gruft und gerät daher mit Romeo in einen Kampf, in dem er stirbt. Als Julia erwacht und vom Tod Romeos erfährt, der sich mit dem Gift selbst umgebracht hat, erdolcht sie sich. Die Familien Montague und Capulet erfahren von Lorenzo alles über die Geschehnisse und versprechen, von nun an friedlich miteinander in Verona zu leben. Prinz Escalus blickt indes in eine dunkle Zukunft und will jeden bestrafen, der den Frieden bricht.

 

Frühlingserwachen

Das Theaterstück „Frühlings Erwachen“ behandelt die Schicksale dreier Jugendlicher, die zur Zeit des Wilhelminismus (1890–1914) in einer ländlichen Gegend aufwachsen. Melchior ist ein aufgeklärter Junge und der beste Schüler auf dem Gymnasium. Sein bester Freund Moritz ist der schlechteste Schüler und versetzungsgefährdet. Die dritte Hautfigur ist die vierzehnjährige Wendla. Sie ist frustriert, weil ihre Mutter ihr nicht erklären will, woher Kinder kommen.

 

Die beiden Jungen haben bereits erste sexuelle Regungen gehabt. Doch Moritz weiß nicht, was es mit der Sexualität und der Fortpflanzung auf sich hat. Deswegen schreibt Melchior für seinen Freund eine Abhandlung zu dieser Thematik. Moritz ist völlig fasziniert von dem, was er durch diese Abhandlung über die menschliche Sexualität erfährt.

 

Zwischen Wendla und Melchior entsteht sexuelle Spannung. Einmal bittet sie ihn, sie zu schlagen, weil sie nachempfinden möchte, was ihre Freundin Martha durchmacht, die von ihrem Vater ständig verprügelt wird. Melchior verliert die Beherrschung, nachdem sie ihn wiederholt ermutigt, stärker zu schlagen. Schließlich prügelt er auf sie ein, flieht dann entgeistert und lässt Wendla allein im Wald zurück. Als sie ihn das nächste Mal sieht, auf einem Heuboden, ist sie aber nicht abgeschreckt von ihm. Die beiden schlafen miteinander, wobei Wendla nicht weiß, was eigentlich vor sich geht. Melchior schwängert das Mädchen.

 

Moritz’ schlimmste Befürchtung wird unterdessen Realität: Er soll in diesem Schuljahr sitzen bleiben. Aus Verzweiflung nimmt sich der Junge das Leben. Melchior wird wegen seiner Abhandlung über Sexualität, die man bei Moritz’ Sachen findet, von der Schule verwiesen. Seine Eltern beschließen, ihn in die Korrektionsanstalt zu schicken, nachdem sie erfahren haben, dass er mit Wendla geschlafen hat.

 

Als Wendlas Mutter die Schwangerschaft bei ihrer Tochter feststellt, lädt sie eine Frau ein, die das Kind abtreiben soll, damit Wendlas Ehre gerettet werden könne. Bei der Abtreibung aber stirbt Wendla. Melchior kann aus der Korrekturanstalt fliehen. Er läuft bis zum Friedhof, auf dem Wendla und Moritz liegen. Moritz’ Geist erscheint und versucht, Melchior zum Selbstmord zu überreden. Doch dann taucht ein vermummter Herr auf und bringt Melchior davon ab. Melchior geht mit dem vermummten Herrn mit, um von ihm alles Interessante zu lernen, was die Welt zu bieten hat.

Iphigenie auf Tauris

In Goethes Werk „Iphigenie auf Tauris“, welches von ihm im Jahr 1786 als Versdrama verfasst wurde, geht es um Iphigenie, die als Priesterin bei den Tauren lebt und im Dienste der Göttin Diane steht. Ihr sehnlichster Wunsch ist es jedoch, in ihre Heimat Griechenland zurückzukehren.

 

Ihr Bruder Orest und dessen Vertrauter Pylades sind einem Orakelspruch des Apollon gefolgt und haben sich eines Tages ebenfalls auf der Insel eingefunden. Aufgrund eines Missverständnisses denken sie, sie müssten die Schwester des Apolls, Diane, von der Insel befreien. Diese steht in Form einer Statue in einem Tempel auf Tauris. Bei dem Versuch, die Statue zu entwenden, werden Orest und Pylades gefangen genommen.

 

Iphigenie sucht die Gefangenen auf und trifft so das erste Mal auf ihren Bruder Orest, der mit seinem Schicksal als Mörder seiner Mutter hadert.  Mithilfe der Göttin Diane schafft es Iphigenie, dass Orest wieder neuen Lebensmut fasst. Gemeinsam planen die drei Griechen, mit einem Schiff von der Insel zu fliehen, doch Iphigenie bringt es nicht übers Herz, den König der Tauren, Thoas, zu hintergehen.

 

Sie offenbart ihm die Fluchtpläne und bittet den König um Verständnis. Thoas, dessen Werben Iphigenie zuvor abgelehnt hat, zögert zunächst. Doch als sich herausstellt, dass der Orakelspruch des Apollon eigentlich besagt, dass Orest seine eigene Schwester (Iphigenie) von der Insel zurück nach Griechenland holen soll,  lässt Thoas die drei gehen.

Sansibar oder der letzte Grund

Fünf Personen führt an einem Tag im Jahr 1937 der Zufall in Alfred Anderschs Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ in dem kleinen Ostseeort Rerik zusammen. Der Junge absolviert bei Fischer Knudsen eine Ausbildung, er träumt aber eigentlich von der großen Freiheit. Fischer Knudsen trifft  in der Kirche des Ortes den aus Berlin kommenden Parteigenossen Gregor. Gregor schlägt ihm stattdessen vor, mit ihm vor dem Naziregime ins Ausland zu fliehen. Knudsen will aber in Rerik bleiben, da er sich um seine geistig verwirrte Frau sorgt, die er nicht der Willkür der Nazis aussetzen will.

 

Der Ortspfarrer Helander hat Knudsen gebeten, die Holzfigur „Lesender Klosterschüler“ mit dem Schiff nach Schweden zu schmuggeln, da sie von den Nazis als „entartet“ klassifiziert und deshalb verboten wurde. Er hofft, sie so vor der gewaltsamen Zerstörung bewahren zu können. Doch Knudsen möchte diesen gefährlichen Auftrag nicht ausführen. Als Helander in der Kirche auf Knudsen und Gregor trifft, ist Gregor hingegen sofort bereit, zu helfen.

 

Judith Levin ist Jüdin und von Hamburg vor dem Naziregime geflohen, um über Rerik nach Schweden zu gelangen. Sie hat die Aussicht, auf den Frachter zu gelangen, schon aufgegeben, bis Gregor sie anspricht und ihr von seiner Rettungsaktion erzählt. Gregor beschließt, auch Judith so zur Flucht zu verhelfen. Knudsen hat sich mittlerweile dazu entschlossen, den „Lesenden Klosterschüler“ zu retten und nach Schweden zu bringen.

 

Als alle Passagiere am Kutter ankommen, weigert sich Knudsen, Judith mit an Bord zu nehmen. Auch meint Knudsen, dass Gregor sich vor der gefährlichen Fahrt drücken wolle. Knudsen und Gregor geraten in eine Schlägerei, bei der Gregor gewinnt. Knudsen erkennt Gregors Uneigennützigkeit und bietet Gregor doch noch die Überfahrt und damit die Möglichkeit zur Flucht an. So bringen Knudsen und der Junge Judith und den „Lesenden Klosterschüler“ schließlich nach Schweden. Gregor kehrt nach Rerik zurück und verlässt den Ort auf seinem Fahrrad.

Der Schimmelreiter

In der Novelle „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm geht es um Hauke Haien, dessen großer Traum es ist, Deichgraf zu werden.

Theodor Storms Novelle beginnt mit einer Erinnerung, in der ein Ich-Erzähler von einer Geschichte berichtet, die er als Kind in einer Zeitschrift gelesen hat. In der Geschichte geht es um einen Reisenden, der nachts während eines starken Unwetters auf dem Deich entlang reitet und dort eine unheimliche Begegnung mit einem dürren Schimmel und einem Reiter hat. Als der Reisende in einem Gasthaus von der Sage des Schimmelreiters hört, fragt er, was es damit auf sich hat, und so beginnt der Schulmeister, die Geschichte von Hauke Haien zu erzählen, die den Kern der Novelle bildet.

Hauke Haien stammt aus einfachen Verhältnissen. Er wächst bei seinem Vater Tede Haien, einem einfachen Bauern, auf. Jedoch interessiert er sich mehr für das Rechnen und die Geometrie als für die Arbeit auf dem Hof seines Vaters. Hauke ist ein sehr ehrgeiziger und kluger Junge. Schon früh erkennt er, dass die Deiche, die das Dorf schützen sollen, nicht gut genug sind, und beschließt, später einmal Deichgraf werden zu wollen, um einen neuen, besseren Deich zu bauen. Durch seinen Ehrgeiz und dank seiner Frau Elke, der Tochter des Deichgrafen Tede Volkerts, wird Hauke nach dessen Tod zum neuen Deichgrafen. Hauke schafft es, seinen Plan von dem neuen Deich durchzusetzen, und die Bauarbeiten beginnen. Allerdings wird er auch von vielen kritisiert, da er den Bauern viel Arbeit abverlangt. Hinzu kommt, dass Hauke einen weißen Schimmel kauft, den die Dorfbewohner für ein auferstandenes Gerippe halten. Nach und nach wächst somit das Misstrauen der Dorfbevölkerung.

Elke und Hauke bekommen eine Tochter namens Wienke, die sich einige Jahre später als schwachsinnig erweist und von Trien‘ Jans, einer alten abergläubischen Frau, betreut wird. Im Frühjahr entdeckt Hauke, dass die Stelle zwischen dem alten und dem neuen Deich unterhöhlt ist. Eine Sturmflut würde den alten Deich somit brechen lassen und den Koog überschwemmen. Hauke fühlt sich kraftlos und lässt auf Rat seines Widersachers Ole Peters lediglich kleine Befestigungsarbeiten durchführen.

In der Nacht vom 1. November 1756 tritt eine Sturmflut ein. Wie befürchtet, bricht der alte Deich. Hauke wird klar, dass er die Reparatur des alten Deiches doch hätte durchführen lassen sollen: „Ich habe meines Amtes schlecht gewartet“ (S.97). Das Wasser überschwemmt den alten Koog und das gesamte Dorf. Haukes Familie kommt in der Sturmflut um, woraufhin hin dieser Selbstmord begeht und sich mitsamt seinem Schimmel in die Fluten stürzt.

Die Blechtrommel

 

Wir verfolgen in „Die Blechtrommel“ den Lebensbericht von Oskar Matzerath. Die Handlung setzt bei der Zeugung von Oskars Mutter Agnes ein. Anna Bronski, die Mutter von Agnes, heiratet den Brandstifter Joseph Koljaiczek und das Ehepaar flieht nach Danzig, aber schon bald stirbt Joseph bei einem Unfall als Flößer.

 

1923 heiratet Alfred Matzerath Agnes Bronski. Ein Jahr später kommt Oskar Matzerath zur Welt. Mögliche Väter sind Alfred selbst oder der Cousin von Agnes, Jan Bronski. An seinem dritten Geburtstag bekommt Oskar eine Blechtrommel geschenkt und beschließt, nicht mehr wachsen zu wollen.

 

Schon bald entdeckt Oskar seine Fähigkeit, mithilfe seiner Stimme Glas zerspringen lassen zu können. Oskar weiß, dass seine Mutter Alfred mit Jan betrügt, und zersingt daher eines Tages aus Protest die Scheiben des Stadttheaters und beginnt, Nazi-Kundgebungen mit seiner Trommel zu stören. Am Karfreitag 1937 beobachten er, Alfred, Jan und Agnes, wie Aale mithilfe eines Pferdekopfs gefangen werden. Als Überreaktion isst Agnes kurz darauf Unmengen von Fisch und verstirbt an einer Fischvergiftung.

 

Unglücklicherweise geht Oskars Trommel kaputt, daher sucht er Hausmeister Kobyella auf, der sie reparieren soll. Dabei erlebt Oskar den Kampf zwischen Polen und SS-Männern um die Post in Danzig, an dessen Ende Jan von der SS hingerichtet wird. 1940 wird Maria Truczinski als Hausmädchen von Alfred angestellt. Oskar fühlt sich zu ihr hingezogen und schwängert sie wahrscheinlich. Dennoch heiratet sie Alfred und wenig später kommt Sohn Kurt zur Welt.

 

Dann wird Oskar Trommler in Bebras Fronttheater in Frankreich. Oskar erlebt die Invasion der Alliierten, kehrt 1944 aber unversehrt nach Danzig zurück. Bei einem Besuch der Kirche begreift Oskar sich als der Nachfolger Jesu Christi. Alfred verhindert in dieser Zeit mehrfach, dass Oskar der Euthanasie zum Opfer fällt, unterscheibt den Euthanasiebrief letztlich aber doch.

 

Nun tritt Oskar in die Stäuber-Bande ein und begeht mehrere Diebstähle. Oskar wird bei dem darauffolgenden Prozess jedoch freigesprochen. Beim Einmarsch der Russen in Danzig wird Alfred erschossen. Daraufhin zieht Fajngold ins Haus und übernimmt Alfreds Geschäft.

 

Maria siedelt anschließend mit Oskar nach Düsseldorf über. Auf der Reise wächst Oskar plötzlich und muss ins Krankenhaus. Nach der Entlassung steigt er in Marias Schwarzhandel ein. Seine Ausbildung zum Steinmetz scheitert, daher wird er Model an einer Kunstakademie.

 

Währenddessen lernt er Klepp kennen, mit dem er die Band ”The Rhine River Three” gründet. Anschließend unterscheibt Oskar, von Bebra erpresst, einen Vertrag bei der Konzertagentur ”West”. Oskar verdient viel Geld. Bebra verstirbt jedoch recht bald.

 

Auf einem Spaziergang findet er den Ringfinger von Dorothea. Bei dieser Gelegenheit lernt er Vittlar kennen, von dem er sich den Mord an Dorothea anhängen lässt. Oskar wird in eine Heilanstalt eingewiesen, weil er sich selbst als „Jesus“ bezeichnet. An seinem 30. Geburtstag kommt heraus, dass Oskar unschuldig ist. Oskar wird entlassen.

 

Hiob

Joseph Roth erzählt in seinem Roman „Hiob. Roman eines einfachen Mannes“ die Geschichte einer jüdischen Familie, die um 1900 herum in einem kleinen russischen Städtchen lebt und schließlich in Amerika ihr Glück versucht.

 

Der erste Teil des Romans handelt vom Leben der Familie in Zuchnow. Dort arbeitet Mendel, der Vater von vier Kindern, als Lehrer. Als Menuchim, sein vierter Sohn, geboren wird, stellt sich heraus, dass er behindert ist. Aus religiösen Gründen lehnt Mendel aber eine Behandlung in einem Krankenhaus ab, sodass die Familie ganz auf die Hilfe Gottes vertrauen muss und angewiesen ist. Ein Rabbi prophezeit der verzweifelten Mutter, dass ihr Sohn eines Tages wieder ganz gesund werden wird.

 

Als die beiden ältesten Söhne nach einigen Jahren zum Militärdienst einberufen werden, setzt ihre Mutter alles daran, wenigstens einen von ihnen davor zu bewahren. Durch den Einsatz ihrer gesamten Ersparnisse erreicht sie es, dass der zweitgeborene Sohn Schemarjah von einem Schleuser über die Grenze gebracht wird. Jonas, der Älteste, geht freiwillig zum Militär. Nach einigen Jahren überbringt ein Freund Schemarjahs, der sich nun Sam nennt, die Botschaft, dass er in Amerika Fuß fassen konnte und der Familie bald Schiffskarten für die Überfahrt schicken wird. Nachdem die Singers alle Papiere für die Einreise erhalten haben, fahren sie nach Amerika. Damit endet der erste Teil des Romans.

 

In New York werden sie von Sam empfangen und in das amerikanische Leben eingeführt. Die Familie lebt in einem jüdischen Stadtviertel in New York und profitiert vom Wohlstand Sams, der sich mit einem Warenhaus und als Immobilienverkäufer einen finanziellen Wohlstand aufbauen konnte. Als der 1. Weltkrieg ausbricht und auch die Vereinigten Staaten in den Krieg eintreten, meldet sich Sam zusammen mit seinem Freund Mac freiwillig zum Militärdienst. Als die Familie nach einiger Zeit die Nachricht erhält, dass Sam gefallen ist und Jonas sowie Menuchim verschollen sind, stirbt Deborah vor lauter Kummer. Kurze Zeit später wird auch Mirjam, die Tochter Mendels, verrückt und in eine Anstalt eingewiesen.

 

Mendel verzweifelt und bricht mit Gott. Freunde nehmen ihn bei sich auf, im Gegenzug hilft er ihnen dafür im Geschäft aus. Eines Tages aber erscheint plötzlich Menuchim, der ein berühmter Musiker geworden ist, und holt seinen Vater ab. Er berichtet ihm, dass er nach einem Brand plötzlich sprechen konnte und in einem Sanatorium vollständig geheilt wurde.  Seinem Vater verspricht er, sich um Mirjam zu kümmern, und erzählt ihm, dass Jonas einem Gerücht zufolge noch lebt. Mendel versöhnt sich daraufhin mit Gott und dem Leben und findet seinen inneren Frieden.

Die Wolke

Ein Supergau im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld zerstört das Leben der 14-jährigen Janna-Berta: Zu Hause mit ihrem kleinen Bruder Uli auf sich allein gestellt, will sie vor der aufziehenden Strahlenwolke fliehen. Im völligen Chaos der fehlschlagenden Evakuationspläne wird Uli jedoch angefahren und kommt ums Leben, Janna-Berta endet im radioaktiv verseuchten Regen. Sie muss einige Wochen in einem Notlazarett verbringen, in dem sie sich mit dem Mädchen Ayse anfreundet, das jedoch bald an der Strahlenkrankheit stirbt. Die Krankheit äußert sich auch bei Janna-Berta, und zwar in Form von Haarausfall. Schließlich erfährt sie, dass auch ihre Eltern und weitere nahe Verwandten und Freunde ums Leben gekommen sind. Einzig ihre Tante Helga scheint ihr geblieben zu sein.

 

Helga nimmt Janna-Berta mit zu sich nach Hamburg. Doch die beiden kommen nicht miteinander zurecht: Helga will, dass Janna-Berta ihre Krankheit verheimlicht, um nicht gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden. Janna-Berta will hingegen ihr vermeintlich kurzes restliches Leben selbst bestimmen. Die Chance dafür sieht sie dann gekommen, als ihre andere überlebende Tante Almut auftaucht. Janna-Berta schließt sich ihr an und beginnt gemeinsam mit Almuts Familie ein neues Leben bei Wiesbaden, also in relativer Nähe von Janna-Bertas Heimatort Schlitz. Dort lernt sie, ihr Leben in den Griff zu bekommen, erfährt von den zahlreichen Schicksalen ihrer früheren Freunde und hilft Almut bei der Einrichtung eines Zentrums für die übrigen strahlenkranken „Hibakusha“, die überlebt haben.

 

Als die Sperrzone in Schlitz aufgehoben wird, macht sich Janna-Berta auf den Weg dorthin. Eigenhändig beerdigt sie die zurückgebliebenen sterblichen Überreste ihres Bruders Uli in einem Rapsfeld und kann so endlich Frieden finden. An ihrem Elternhaus angelangt, trifft Janna-Berta auf ihre Großeltern väterlicherseits, die die Auswirkungen des Unfalls im Ausland auf Mallorca ausgesessen haben und nun die Meinung vertreten, alles sei gar nicht so schlimm gewesen. Vom Schicksal ihrer Familienmitglieder wissen sie nichts. Kurzzeitig lässt sich Janna-Berta auf diese Illusion einer heilen Welt ein. Doch als die Großeltern damit beginnen, die Schuld für das Desaster gerade bei den Atomgegnern zu suchen, entblößt Janna-Berta ihren kahlen Kopf und beginnt, ihre Geschichte zu erzählen.

Der gute Mensch von Sezuan

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Lektürehilfe zu Der gute Mensch von Sezuan


Drei Götter sind mit einer Mission auf der Erde: Sie müssen einen guten Menschen finden. In der Stadt Sezuan finden sie eine Unterkunft bei der Prostituierten Shen Te. Die Götter meinen, endlich einen guten Menschen gefunden zu haben, und bezahlen sie großzügig für die Unterkunft. Von dem Geld kauft sich Shen Te einen Tabakladen. Sie will endlich ihren alten Beruf aufgeben und nur noch Gutes tun.

Weil Shen Te niemandem einen Wunsch abschlagen kann, wird sie aber von ihren Bekannten hemmungslos ausgenutzt und steht bereits nach kurzer Zeit vor dem Bankrott. Sogar der arbeitslose Flieger Yang Sun, in den Shen Te sich hoffnungslos verliebt, ist vor allem hinter ihrem Geld her.

In ihrer Not verkleidet Shen Te sich als Mann und gibt sich als ihr Vetter Shui Ta aus. Immer dann, wenn Shen Tes Situation zu eskalieren droht, verschwindet sie und handelt stattdessen in der Rolle ihres „Vetters“. Im Gegensatz zur weichherzigen Shen Te kann Shui Ta „Nein“ sagen und die nötigen Maßnahmen ergreifen, um sich vor dem Ruin zu schützen.

Shen Te bemerkt eines Tages, dass sie von Sun schwanger ist. Doch Sun hat Shen Te längst verlassen. Sie beschließt, für das Glück ihres Kindes zu kämpfen.

Als Shen Tes Bekannte ein paar Rollen Rohtabak bei ihr einlagern, schlüpft sie in die Rolle des Shui Ta. Er eröffnet eine Tabakfabrik, in der er die Leute, die Shen Te früher ausgenutzt haben, unter schlechten Bedingungen arbeiten lässt. Auch Yang Sun arbeitet für Shui Ta. Shen Te bleibt über Monate hinweg verschwunden. Eines Tages hört Sun ein Schluchzen aus dem Hinterzimmer des Tabakladens und verdächtigt Shui Ta, seine ehemalige Freundin gefangen zu halten. Er holt die Polizei und Shui Ta wird wegen Mordverdachts festgenommen.

Bei der Gerichtsverhandlung treten die drei Götter als Richter auf. Unter dem Druck der aufgebrachten Zeugen gibt der Angeklagte Shui Ta schließlich auf. Er offenbart den Göttern seine wahre Identität. Shen Te klagt den Göttern ihr Leid und bittet um eine Änderung der Gebote: Ihrer Ansicht nach ist es unmöglich, immer nur gut zu anderen zu sein, ohne sich dabei selbst zu zerstören. Doch die Götter wollen davon nichts hören. Sie vergeben Shen Te und begeben sich wieder in den Himmel.

Tauben im Gras

Der Roman schildert einen Februartag des Jahres 1951 in einer süddeutschen Großstadt, die als das von den Amerikanern besetzte München identifiziert werden kann. Der Verfasser skizziert ein bedrückendes und düsteres Bild der Gegenwart, und der Roman ist von einer pessimistischen und angsterfüllten Grundstimmung geprägt. Der Frieden ist erneut durch weltpolitische Konflikte gefährdet, und der Autor beschreibt die Personen in einer kurzen Atempause eines vielleicht unmittelbar bevorstehenden neuen Krieges.

Bei „Tauben im Gras“ gibt es keinen einzelnen Helden. Der Verfasser stellt in etwa 105 kurzen oder längeren Textabschnitten das Schicksal von über 30 Menschen mit völlig unterschiedlichem Herkommen und sozialen Stand, unterschiedlicher Nationalität und Hautfarbe dar. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zur selben Zeit am selben Tag am selben Ort sind und dass der Krieg ihre Zukunft beeinflusst, geändert oder zerstört hat. Aus knappen, exemplarischen, an- und ineinandergefügten und assoziativ verbundenen Episoden entsteht simultan und mosaikartig das Geschehen eines Tages. Lebensabschnitte der verschiedenen Figuren werden nacheinander beschrieben, wobei der Leser erst im weiteren Verlauf der Handlung die Zusammenhänge zwischen diesen erkennt.

Aus dem Blickwinkel der Figuren und des Erzählers werden die Ereignisse abwechselnd geschildert. Der Autor gibt wieder, wie die Charaktere sich begegnen und einander behandeln sowie, wie diese sich mit der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart auseinandersetzen und diese bewältigen. Viele dieser Menschen können mit ihrer aktuellen Welt nicht zurechtkommen und suchen Zuflucht in Alkohol, Drogen, Sex oder Schlafen, um überhaupt überleben zu können. Es entsteht der Eindruck, dass die meisten Romanfiguren, die als Gejagte, Verlorene und Suchende erscheinen, unter den Umständen der Zeit leiden und dieser bedingungslos ausgeliefert sind.

Schöne neue Welt

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Einblick in sein Werk verschaffen kannst. Natürlich stehen Dir dort auch eine ausführliche Kapitelzusammenfassung, eine minutiöse Analyse und eine detaillierte Interpretation zur
Verfügung.
Lektürehilfe zu Schöne neue Welt


 

Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ beginnt im Jahr 632 nach Ford und spielt in einem utopischen, hoch entwickelten Weltstaat. Die Menschen werden künstlich in Flaschen erzeugt und sind in fünf Kasten eingeteilt. Nach ihrer Entkorkung im Labor durchlaufen sie, entsprechend ihrer Kaste, eine spezifische Normung, um später optimal auf ihr Leben vorbreitet zu sein.

 

Alle Bürger des Staates sollen glücklich sein. Dies wird unter anderem durch die frei zugängliche Droge Soma und Sex als Freizeitsport gewährleistet. Sigmund Marx, ein Alpha-Plus, der allerdings nicht das typische Aussehen eines Alphas hat, sticht aus der Masse anderer Alphas heraus. Er arbeitet zusammen mit Henry Päppler und Lenina Braun in der Brut- und Normzentrale. Sigmund lädt Lenina ein, mit ihm eine Wildenreservation in Mexiko zu besuchen, in der wilde, unzivilisierte Menschen leben.

 

Bevor die beiden allerdings abreisen können, braucht Marx noch die Zustimmung seines Chefs, des Direktors der Brut- und Normzentrale. Der erzählt Marx, dass auch er einmal diese Reservation mit seiner damaligen Freundin besucht habe. Sie sei dort aber verschwunden und nie mehr gesehen worden. Erschrocken über seine persönliche und emotionale Geschichte, die er Marx gegenüber preisgegeben hat, bedroht der Direktor ihn. Trotzdem unterschreibt er die Einwilligung für die Reise.

 

Lenina und Sigmund brechen anschließend zur Wildenreservation auf. Dort treffen sie Michel, der sie mit seiner Mutter Filine bekannt macht. Filine ist die ehemalige Freundin des Direktors, die damals in der Reservation verschwand. Sie hat sich nicht zurück in die Zivilisation getraut, weil sie schwanger war und ein Kind geboren hat. Sigmund erkennt seine Chance, dem Direktor eins auszuwischen. Er nimmt die beiden mit nach Berlin und präsentiert dem Direktor vor allen Mitarbeitern der Zentrale dessen Exfreundin. Diese berichtet ihm dann, dass er einen Sohn habe. Dem Direktor ist die ganze Situation so peinlich, dass er flüchtet.

 

Sigmund kann dadurch seine Entlassung abwenden und ist jetzt sogar ein gefragter Mann. Alle neugierigen Menschen, die Michel, den „Wilden“, kennenlernen wollen, müssen sich an ihn wenden. Er organisiert Partys für die Elite der Gesellschaft. Michel hingegen findet die schöne neue Welt verwirrend und abstoßend. Seine Mutter hatte ihm von dieser Welt immer vorgeschwärmt, doch er findet den Somakonsum und die Freizügigkeit der Menschen widerlich.

 

Michel hegt Gefühle für Lenina. Ihm fällt es aber schwer, sie offen zu zeigen. Als Lenina ihn verführen möchte, lehnt Michel ab. Er gesteht ihr zwar seine Liebe, wird gleichzeitig aber auch gewalttätig und stößt sie von sich, weil sie seine Gefühle nicht versteht.

Faust II

Auch im zweiten Teil der Tragödie ist der Wissenschaftler Faust auf der Suche nach dem höchsten Augenblick. Faust kann dank eines Heilschlafes seine begangene Schuld an Margarete vergessen und eröffnet die Handlung der Tragödie Teil II mit neuem Lebensmut und dem wiederkehrenden Bedürfnis, sein Streben nach dem Höchsten weiterzuverfolgen.
Nicht mehr die „kleine Welt“ seines Studierzimmer ist Ausgangspunkt seiner Suche, sondern das reale Weltgeschehen, in dem Mephistopheles sich auch wieder einfindet. So verbindet beide nach wie vor die einst geschlossene Wette, nach der Mephistopheles Fausts Seele erhält, wenn er ihm einen Moment des höchsten Glücks verschafft hat. Sie treffen im Palast des Kaisers aufeinander und erfüllen einen Auftrag des Herrschers. Er wünscht sich das Bild Helenas und Paris‘ herbei, dem antiken Urbild der Schönheit. Faust steigt in die Unterwelt, um beide hervorzuholen. Als Helena und Paris im Palast ihren eigenen Mythos – den Raub Helenas durch Paris – als Pantomime nacherzählen, ist Faust von ihrem Anblick überwältigt. Seine Sehnsucht nach dem einstigen Traumbild im Zauberspiegel wird neu entfacht. So versucht er, sie festzuhalten, als Paris sie im Spiel rauben will. Doch er kann sie nicht halten, und Helena entschwindet ins Nichts.

 

Der daraufhin ohnmächtig gewordene Faust wird von Mephistopheles in sein altes Studierzimmer gebracht, wo sie auf Wagner treffen, der einst Fausts Gehilfe war. Auf dem Höhepunkt seiner alchemistischen Experimente hat dieser es gerade geschafft, den künstlichen, in einer Glasflasche lebenden Menschen Homunculus zu erschaffen. Homunculus weiß um Fausts unstillbare Sehnsucht nach Helena, die er in seinen Träumen erblickt. Um ihn zu heilen, begibt er sich mit ihm und Mephistopheles zu der klassischen Walpurgisnacht, wo er Helena treffen kann.
Dort gelangt jeder für sich zu seinem Ziel: Homunculus‘ Bedürfnis, die Menschwerdung zu erleben, erfüllt sich, als er sich mit Galatee, Zeus‘ Tochter, im Meer vereint und zerfließt. Mephistopheles findet seine Gestalt vorübergehend in Phorkyas, des Chaos‘ Sohn und Personifikation der Hässlichkeit. Faust wird zu Helena in die Unterwelt geleitet. Zurück ins Leben rufen könne er sie nur, so wird ihm klargemacht, wenn er sie als Dichter erscheinen lasse, denn Helena sei ihrem Wesen nach eine fiktive literarische Figur.

 

Helena tritt zunächst allein in Erscheinung, als sie von Troja zurückkehrt. Mephistopheles-Phorkyas klärt sie darüber auf, dass ihr Gatte Menelaos sie als Opfer wolle. Um ihr Weiterleben zu ermöglichen, versetzt er sie in die Zeit des Mittelalters in die mittelalterliche Burg. Hier trifft sie auf Faust, und sie werden Herrscherpaar und Liebespaar in der antiken Kunstlandschaft der Schönheit – Arkadien. Gekrönt wird dieses ideale Leben mit der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Euphorion, der nicht nur äußerst anmutig, sondern auch sehr begabt ist. In der Annahme, er könne sogar fliegen, stürzt sich Euphorion voll Übermut in die Lüfte und verunglückt tödlich. Helena folgt ihrem Sohn in den Hades, und Fausts Glück ist zerstört.

 

Faust stürzt sich zusammen mit Mephistopheles in das politische Weltgeschehen, führt einen erfolgreichen Krieg im Namen des Kaisers und wird zum Dank mit Land belohnt. So verfolgt er seine Idee, dem Meer Land abzugewinnen, um es für ein glückliches Volk bewohnbar zu machen. Faust, nach Macht und Reichtum strebend, verliert dabei seine eigentliche Vision aus den Augen und zerstört Land und Menschenleben. Die Sorge kehrt in sein Haus, er erblindet. Doch Faust verdrängt die Realität. In Gedanken an seine ideale Vision genießt er im Moment seines Todes „den höchsten Augenblick“ (S. 220, Z. 11586).

 

Im Wettstreit mit den himmlischen Heerscharen verliert Mephistopheles Fausts unsterbliche Seele und bleibt verprellt zurück. Fausts Seele wird bis zu der Mater Gloriosa emporgetragen. Dort trifft er auf Margarete, die für ihn als Büßerin um Vergebung bittet. Ihr folgend, kann Faust, frei von seinen Sünden, gerettet werden.

Medea. Stimmen

Medea berichtet ihrer Mutter im Fieberwahn von der erkalteten Beziehung zu Jason, der Verbannung aus Kreons Palast und der Wahrheit über die Ermordung der Königstochter Iphinoe. Danach berichtet Jason Medea von seiner Hilflosigkeit gegenüber dem Vorwurf des Brudermordes . Er steht seiner Frau zwiespältig gegenüber. Er erinnert sich einerseits an den Zauber der ersten Begegnung, gleichzeitig verurteilt Jason andererseits ihr überhebliches Verhalten.

 

Im Folgenden erzählt Agameda, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter Medeas Schülerin wurde. Medeas distanzierte Haltung hat aber Hass in ihr geschürt. Zusammen mit Presbon beschuldigt sie daher Medea entgegen der Wahrheit und wider besseres Wissen mit Genugtuung des Brudermordes bei Akamas. Medea führt ein Zwiegespräch mit ihrem toten Bruder Absyrtos. Er wird deutlich, dass ihr Bruder sterben musste, um die Machtgier des Vaters zu stillen.

 

Akamas ist anfangs von Medea beeindruckt, hält sie aber auch für primitiv. Aus Eitelkeit erklärt er Medea das Funktionieren des korinthischen Staatswesens. Iphinoes Ermordung verteidigt er gegenüber Medea. Es gefällt ihm persönlich auch nicht, dass das Gerücht des Brudermordes im Umlauf ist, von Amts wegen dürfe er es aber nicht dementieren.

 

Glauke fühlt sich für den Ausbruch der Pest schuldig. Medea gegenüber ist sie wohlgesonnen, da sie ihr bei ihrer Epilepsie therapeutisch Beistand leistete. Von Kreon besonders beeinflusst, wächst ihre Abneigung gegen Medea. Verstärkt wird diese, als sie sich in Jason verliebt. Am Ende ihres Monologs hört sie Rufe, die Medea als Opfer fordern, und erleidet daraufhin einen epileptischen Anfall.

 

Leukon warnt Medea wiederholt vor der Gefahr, die von den Korinthern ausgeht. Als er erfährt, dass der Pöbel Medea durch die Straßen gejagt hat, bezichtigt er Akamas, Stimmung gegen Medea zu schüren. Allerdings weiß er auch, dass er dies Akamas nicht wird nachweisen können. Medea erzählt Leukon, wie sie auf der Flucht von Oistros aufgenommen wurde. Als dann ein Erdbeben stattfindet, bezichtigt Kreon Medea, schuld daran zu sein. Mir Lyssa unterhält sich Leukon dann über den Egoismus und die Falschheit der Regierungsriege in Korinth.

 

Medea wohnt mit Ekel der Opferung von Stieren zum Frühlingsfest bei. Kurz danach setzt sie durch, dass nur einer von mehreren geflohenen Gefangenen geopfert wird. Die folgende Mondfinsternis wird Medea angelastet. Unterdessen überfällt Turon das Frühlingsfest der Korintherinnen und wird entmannt. Daraufhin wird Medea als ihre Anführerin festgenommen.

 

Mit Scham erfährt Jason außerdem von Medeas Verhältnis zu Oistros. Medea wird in die Verbannung geschickt. Jason fordert danach vergeblich ein Schuldeingeständnis von Medea und vergewaltigt sie. Leukon ist voller Schmerz, da seine geliebte Arethusa an Pest starb. Glauke begeht indes Selbstmord, woraufhin Kreon alles Staatsgeschäfte Akamas überlässt. Jason verwahrlost währenddessen auf der Argo. Nach einigen Jahren taucht Arinna bei Medea und den Kolcherinnen auf und erzählt, dass Medeas Söhne gesteinigt wurden. Medea verflucht Korinth, fühlt sich aber keinem Land mehr zugehörig und ist am Ende einsam und auf sich allein gestellt.

Vor Sonnenaufgang

Bei Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“ handelt es sich um ein naturalistisches Schauspiel und ein soziales Drama in insgesamt fünf Akten. Es wurde 1889 uraufgeführt. Hauptmann beschreibt in seinem Werk den Verfall der Bauernfamilie Krause aus dem fiktiven schlesischen Ort Witzdorf. Die heruntergekommene Familie ist aufgrund unerwarteter Kohlefunde zu Reichtum gekommen. Vor allem Bauer Krause und dessen Tochter Martha sind von ihrer Alkoholsucht getrieben.

 

Martha ist die Witwe eines Bauunternehmers in der Region, der sich das Leben nahm. In zweiter Ehe ist sie mit Hoffmann verheiratet, der die Bauprojekte seines Vorgängers übernommen hat und so großzügige Profite erwirtschaften konnte. Martha ist hochschwanger, doch bereits ihr erstes Kind kam wegen ihrer Sucht zu Tode. Auch in dieser neuen Schwangerschaft gelingt es Martha nicht, auf das Trinken zu verzichten. Aufgrund ihres Alkoholkonsums in der vorherigen Schwangerschaft und Stillzeit war ihr erstes Baby ebenfalls abhängig. Als das Kind drei Jahre alt war, begab es sich auf die Suche nach Alkohol und verletzte sich dabei tödlich an einer Flasche.

 

Helene Krause, Marthas Schwester, unterscheidet sich vom Rest der Familie. Sie wuchs in einem Pensionat auf und zeichnet sich durch Klugheit und Abstinenz aus. Helene leidet unter dem Alkoholkonsum ihrer Familie und schämt sich vor allem für ihren Vater Krause, der jede Nacht volltrunken nach Hause kommt. Sie verliebt sich in Loth, einen alten Schulkameraden Hoffmanns. Dieser kam nach Witzdorf, um eine Studie über die Lebensbedingungen der dortigen Bergbauarbeiter zu verfassen. Auch er entwickelt Gefühle für Helene, die beiden planen eine gemeinsame Zukunft fern des Hofes.

 

Loth jedoch ist äußerst idealistisch eingestellt und verurteilt den Alkoholkonsum. Als er erfährt, dass Helenes gesamte Familie  aus Trinkern besteht, verfasst er einen Abschiedsbrief und verlässt sie. Helene nimmt sich daraufhin mit einem Messer das Leben. Hoffmann muss sich damit auseinandersetzen, dass sein Kind wegen des Alkohols als Totgeburt auf die Welt gekommen ist. Das Stück setzte an einem frühen Septemberabend ein und spielt sich in einem Zeitraum von etwas mehr als 24 Stunden ab. Es endet „Vor Sonnenaufgang“.

Chandos-Brief

„Ein Brief“ von Hugo von Hofmannsthal ist ein Werk, das 1902 veröffentlicht wurde und der literarischen Strömung der Moderne zugeordnet wird. Der Text wird auch als „Chandos-Brief“ oder „Brief des Lord Chandos“ bezeichnet. Der fiktive Verfasser des Briefs, Philipp Lord Chandos, berichtet in diesem Schreiben seinem Mentor, dem englischen Philosophen, Staatsmann und Wissenschaftler Francis Bacon, von dem Problem, dass es ihm nicht mehr gelingt, die Sprache als Mittel des Ausdrucks für sich zu nutzen.

 

Der Erzähler verändert sich und erfährt die Welt ganz neu. Die Zweifel am sprachlichen Ausdruck führen so weit, dass sich der Verfasser immer weiter von den Menschen entfernt, die ihn umgeben und seine Aufmerksamkeit eher den Dingen und Erlebnissen zuwendet, die ohne Sprache auskommen. Dies können Erlebnisse, Tiere und auch Gegenstände sein. Damit endet aber auch gleichzeitig seine schriftstellerische Laufbahn, denn die Sprache wird nun von ihm als unzulänglich betrachtet.

 

Die frühen Erfolge des Verfassers, über die er berichtet, sind nun für ihn hinfällig, denn aus seiner jetzigen Sicht heraus erscheinen sie ihm als ungerechtfertigt und unbedeutend. Es ist der letzte Brief, den er an seinen Freund schreibt und in dem er versucht, ein letztes Mal mit Sprache seine Erlebnisse und Probleme einem Menschen anzuvertrauen. Der Brief endet daher mit einem Abschied von seinem Freund Bacon.

König Ödipus

Die Pest grassiert in der Stadt Theben. Menschen und Tiere sterben, die Felder sind unfruchtbar. Um seinem Volk helfen zu können, holt sich der mitfühlende König Ödipus den Rat eines Orakels ein. Dieses antwortet, er müsse den Mörder des vorherigen Königs Laios finden, dessen Witwe Ödipus geheiratet habe. Erst die Tatsache, dass der Mörder gefunden und bestraft werde, könne helfen, die Stadt von der Seuche zu befreien.

 

König Ödipus beginnt mit den Nachforschungen, um Licht in den bisher ungeklärten Tod Laios‘ zu bringen. Er befragt verschiedene Personen, wie beispielsweise seine Frau Iokaste, den Seher Teiresias sowie einen Hirten und einen Boten, die bereits zu Laios‘ Zeiten lebten und als „Zeitzeugen“ gelten. Ödipus beginnt mit den Verhören und muss in dessen Verlauf schreckliche Entdeckungen machen.

 

Er kommt dem Mörder Laios‘ auf die Spur, realisiert jedoch gleichzeitig, dass er sich selbst dieses Verbrechens schuldig gemacht hat, ohne zu ahnen, dass es sich um seinen Vater handelt. Damit geht einher, dass er seine eigene Mutter geheiratet und vier Kinder mit ihr gezeugt hat. Er entdeckt außerdem, dass er als Säugling ausgesetzt wurde (mit dem Ziel, ihn dem Tod zu überlassen), da laut Aussage des Orakels ein Fluch auf ihm lastete, nämlich dahin gehend, dass er einst seinen Vater töten werde. Der Tötungsbefehl wurde jedoch nicht befolgt, weswegen er in Korinth aufwuchs, anstatt bei seinen leiblichen Eltern. Erst später wurde er aus reiner Unwissenheit zum Mörder seines Vaters und zum Ehemann seiner eigenen Mutter.

 

Kurz darauf findet er seine Frau und Mutter tot auf, die sich im Königspalast erhängt hat. Aus purer Verzweiflung über sein Schicksal und seine Vergangenheit sticht sich Ödipus mit den Gewandspangen ihres Kleides die Augen aus. Da er für den Mörder des Laios‘ als Strafe die Verbannung verkündet hat, wird ihm dieses Schicksal nun selbst zuteil. Er muss sich durch seinen Schwager Kreon, der seine Thronfolge antritt, der Stadt verweisen lassen. Seine Kinder lässt er bei Kreon zurück, jedoch nicht, ohne sie vorher über das Schicksal ihres Vaters aufzuklären. Er bittet seinen Schwager, sich um sie zu kümmern. Das Drama schließt mit einem Chor, der ermahnt, keinen Sterblichen vorschnell seligzupreisen, denn man könne nie über dessen Schicksal Bescheid wissen.

Reigen

Das Stück „Reigen” von Arthur Schnitzler besteht aus zehn Dialogen, die sich jeweils zwischen zwei Menschen abspielen, die im Laufe des Dialoges miteinander schlafen. Nur in einem Fall, dem letzten Dialog, hat der Geschlechtsverkehr bereits vor dem Gespräch stattgefunden. Einer der beiden Beteiligten trifft im nächsten Dialog auf einen anderen Partner, dieser sucht sich im darauffolgenden Dialog wieder jemand neuen und so weiter. Die Abenteuer spielen sich hauptsächlich in Wien und im Umfeld der Stadt um 1900 ab. Die zehn Personen, die hier zum Zuge kommen, gehören ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an. Die Dirne stammt aus der niedrigsten Schicht, der Graf gehört zum Adel. Die Schauspielerin und der Dichter sind Künstler, die Eheleute gut gestellte Bürger.

 

Der „Reigen“ beginnt bei der Dirne, die mit dem Soldaten unter freiem Himmel Sex hat, ohne eine Bezahlung dafür zu bekommen. Der Soldat lernt auf einem Tanzfest das Stubenmädchen kennen, und die beiden schlafen miteinander in einer dunklen Allee. Das Stubenmädchen Marie hat wiederum ein erotisches Erlebnis mit dem Sohn ihrer Arbeitgeber. Dieser junge Herr hat eine Affäre mit der jungen Frau, welche verheiratet ist, weswegen die Affäre geheim bleiben muss. Der Ehemann der jungen Frau gibt sich ihr gegenüber zwar tugendhaft, hat aber ebenfalls außerehelichen Geschlechtsverkehr mit dem süßen Mädel, das er zu diesem Zweck ins Chambre separée einer Gaststätte einlädt. Das süße Mädel aus niedriger Schicht ist es gewohnt, sich von verschiedenen älteren und wohlhabenderen Liebhabern einladen und beschenken zu lassen. Der Dichter ist ihr nächster Geliebter, und er ergötzt sich an der Dummheit des Mädchens, durch die sie ihm wie eine Muse erscheint. Er hat aber auch ein Verhältnis mit der Schauspielerin, für die er nur einer von vielen ist. Nach einem Ausflug und einer Nacht mit dem Dichter auf einem Landgasthof ist die Schauspielerin zurück in Wien. Hier verführt sie ihren neuesten Verehrer, den Grafen, der sie am Abend zuvor auf der Theaterbühne gesehen hat. Der Graf wiederum findet sich nach einer Nacht, in der er betrunken war, im Zimmer der Dirne wieder, die dem Leser aus dem ersten Dialog bekannt ist.

 

Im Westen nichts Neues

Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ thematisiert die Erlebnisse des 18-jährigen Soldaten Paul Bäumer und dessen Kompanie während des Ersten Weltkrieges. Der Erzähler Bäumer befindet sich zusammen mit seinen Kameraden zunächst neun Kilometer von der Westfront entfernt und berichtet in ergreifender Art und Weise von den Vorkommnissen in den Feldlagern und Schützengräben.

 

Zuerst wird die Vorgeschichte als eine Art Bestandsaufnahme geschildert: Paul und einige seiner Klassenkameraden vom Gymnasium melden sich wegen der patriotischen Reden ihres Lehrers Kantorek freiwillig zum Militär und lassen sich in zehn Wochen als Soldaten für den Ersten Weltkrieg ausbilden. Ihr Ausbilder Himmelstoß schikaniert und quält die Jungen, bis sie ihn abgrundtief hassen. Im Anschluss an ihre Ausbildung werden sie an der Westfront einer bereits bestehenden Gruppe angegliedert, die von Stanislaus Katczinsky, genannt „Kat“, angeführt wird. Er zeigt ihnen alles, was sie wissen müssen, und die jungen Soldaten betrachten Kat als Vorbild. Es bildet sich eine Einheit innerhalb der Gruppe. Vor allem zwischen Paul und Kat entsteht eine sehr enge Freundschaft. Schnell merken die Jungen jedoch, dass ihr bisheriges Leben und die Soldatenausbildung nichts mit dem zu tun haben, was sie an der Front erwartet. Es macht sich eine allgemein desillusionierte Stimmung breit; die Brutalität des Krieges schädigt die Jungen physisch und psychisch.

 

Im Verlauf der Gefechte verliert Paul eine Menge Kameraden. Vor allem der Tod seines Freundes Kemmerich nimmt ihn sehr mit. Auch sein Heimaturlaub gestaltet sich nicht wie geplant: Er traut sich kaum, mit anderen über das an der Front Erlebte zu reden, hat zu große Angst, dass ihn die Geschehnisse einholen. Zurück an der Front werden Bäumer und ein Kamerad verwundet und in ein Lazarett gebracht. Nachdem die Wunden verheilt sind, muss er jedoch ins Feld zurück.

 

Der Krieg wird immer aussichtsloser, und auch Paul ist sich nun sicher, dass es bald einen Friedensvertrag geben wird. Die Gefechte werden dennoch brutaler, Pauls Truppe wird kleiner und kleiner. Nach dem Tod seines geliebten Kameraden Kat ist Paul völlig verzweifelt. Nur wenige Tage später fällt auch er dem Gegner zum Opfer und stirbt im Oktober 1918 in einem Schützengraben. Da es an diesem Tag an der Front so ruhig wie lange nicht mehr ist, beschränkt sich der Heeresbericht auf die Nachricht, „im Westen sei nichts Neues zu melden“.

Die Vermessung der Welt

Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und der Naturforscher Alexander von Humboldt haben grundverschiedene Lebensläufe hinter sich:

 

Humboldt ist der Spross einer preußischen Adelsfamilie und bricht bereits als junger Mann gemeinsam mit dem Pflanzenforscher Aimé Bonpland zu einer mehrjährigen Südamerikaexpedition auf. Der Tatendrang, den er bei seinen Forschungen an den Tag legt, revolutioniert die Naturwissenschaft in etlichen Bereichen: So berichtigt Humboldt etliche Kartografiefehler, findet den sagenumwobenen Verbindungskanal zwischen Orinoko und Amazonas, besteigt den höchsten Berg der damals bekannten Welt, erforscht Eingeborenenruinen und widerlegt die vorherrschende These des Neptunismus, dass das Erdinnere kalt und fest sei. Zurück in Berlin wird er dafür gefeiert und mit den höchsten Ehren ausgezeichnet.

 

Gauß hingegen kommt in ärmlichen Verhältnissen zur Welt. Er bringt es jedoch als „Fürst der Mathematiker“ zu Berühmtheit, nachdem sein Lehrer in ihm im Alter von acht Jahren das Mathematikgenie erkennt: Mithilfe eines herzoglichen Stipendiums besucht Gauß zunächst das Gymnasium, dann die Universität und vollendet mit nur neunzehn Jahren sein Lebenswerk Disquisitiones Arithmeticae. Er wird zuerst Landvermesser, später Sternwartendirektor und Professor. Familiär allerdings muss er den Tod seiner ersten Frau sowie das zerrüttete Verhältnis zu seinem Sohn Eugen aus zweiter Ehe verkraften.

 

Als Humboldt und Gauß als alte Männer im Jahr 1828 auf einem Forschungskongress in Berlin zusammentreffen, wird ihnen klar, dass sie beide auf ihre eigene Art zur Vermessung der Welt beigetragen haben. Sie merken jedoch auch, dass das Alter sie eingeholt hat, und trotz großer Zukunftspläne verlaufen ihre weiteren Forschungsreisen und Experimente nicht mehr so erfolgreich wie früher. Sie müssen das Leben an die nachfolgende Generation weitergeben. Diese wird am Ende von Gauß‘ Sohn Eugen verkörpert, der nach der Teilnahme an einer nationalistischen Studentenversammlung ins Exil gehen muss: Gemeinsam mit einem irischen Geschäftspartner beginnt er ein neues Leben in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Lenz

„Lenz“ ist eine Novelle von Georg Büchner, die posthum 1839 veröffentlicht wurde. Sie handelt von dem Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz, der unter einer Geisteskrankheit leidet, die sich im Verlauf der Erzählung immer weiter verschlechtert. Sowohl die Hauptfigur als auch die Figur des Pfarrers und der Ort der Handlung sind real. Die Novelle basiert auch zu einem großen Teil auf Aufzeichnungen des Pfarrers, die Büchner teilweise sogar wörtlich übernommen hat.

 

Die Erzählung beginnt mit der Schilderung von Lenz‘ Wanderung, der durch das Gebirge nach Waldbach geht. Als er in Waldbach eintrifft, wird er von Oberlin und dessen Familie sehr freundlich aufgenommen und fühlt sich nach der Einsamkeit der Reise wieder geborgen. Als er nach dem gemütlichen Abend im Kreise der Familie Oberlins ein kahles Zimmer im Schulhaus angewiesen bekommt, hält er es dort nicht lange aus und stürzt im Dunkeln aus dem Haus. Er verletzt sich und fällt schließlich in einen Brunnen, wo er planscht. Das kalte Wasser und die herbeieilenden Menschen bringen ihn zur Vernunft. Das kalte Wasser hilft ihm dabei, in Momenten größter innerer Unruhe und Verwirrung wieder zu sich selbst zu kommen.

 

Lenz begleitet Oberlin bei seiner täglichen Arbeit und seinen Ausritten in die Natur. Eines Tages kommt Kaufmann an, ein Bekannter von Lenz, und fordert ihn im Namen von Lenz‘ Vater auf, nach Hause zu kommen und wieder seiner Arbeit dort nachzugehen. Als am folgenden Tag Oberlin zusammen mit Kaufmann in die Schweiz aufbricht, bleibt Lenz verlassen zurück, da ihm nun die wichtigste Stütze seines inneren Friedens genommen ist.

 

Nach einer Begegnung mit einem angeblichen Heiligen und dessen Familie in einer verlassenen Hütte im Wald verschlechtert sich Lenz‘ Gesundheitszustand zusehends. Grund dafür ist auch die Abwesenheit Oberlins. Gegen Ende seines Aufenthaltes muss Lenz daher teilweise von mehreren Personen beaufsichtigt werden. Als die Situation für alle untragbar wird, wird Lenz abgeholt und zurück nach Straßburg transportiert.

Der Junge im gestreiften Pyjama

Der 9-jährige Bruno muss mit seiner ganzen Familie und den Bediensteten das Haus in Berlin verlassen und in ein anderes Haus nahe des Konzentrationslagers Auschwitz in Polen ziehen, da der Vater dort einen neuen Job erhalten hat.

 

Bruno kann von seinem Fenster aus auf ein Lager sehen, das von einem Zaun umgeben ist. Er hat keine Vorstellungen darüber, was dort passiert und wer die Menschen sind, die dort leben. Er versucht vergeblich, seine Eltern davon zu überzeugen, wieder nach Berlin zu ziehen. Ihm fällt es, wie auch seiner Schwester und Mutter, schwer, sich in dem neuen Haus heimisch zu fühlen. Er findet sich jedoch mit seiner neuen Situation ab und beginnt, die Gegend um das Haus zu erforschen.

 

Aus Langeweile fängt er an, am Zaun entlang zu spazieren, und freundet sich dabei mit einem jungen Häftling namens Schmuel auf der anderen Seite des Zauns an. Die beiden treffen sich nun regelmäßig. Seine Besuche am Zaun hält Bruno vor seiner Familie geheim. Bruno bemerkt zwar bei den Gesprächen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen sich und Schmuel, kann diese aber nicht begreifen oder gar erklären.

 

Als Schmuel ihm eines Tages erzählt, dass er seinen Vater nicht mehr im Lager finden könne, und Bruno Schmuel berichtet, dass er mit seiner Mutter und Schwester nach Berlin zurückkehren werde, schmieden die beiden einen Plan. Schmuel besorgt für Bruno Häftlingskleidung, die dieser nur als Pyjama beschreibt. Bruno zieht diese an und kriecht unter dem Zaun durch. Da ihm sein Vater aufgrund eines Läusebefalls die Haare abrasiert hat, sieht er nun genau wie ein Lagerinsasse aus.

 

Nachdem die beiden Jungen vergeblich nach Schmuels Vater gesucht haben, werden sie mit anderen Häftlingen zusammen in einen Raum getrieben. Dort werden sie vergast und sterben. Brunos Eltern suchen nach ihm, finden aber nur seine Kleidung am Zaun. Die Mutter und seine Schwester Gretel kehren nach Berlin zurück. Sein Vater begreift, was seinem Sohn passiert ist, und macht danach seine Arbeit nicht mehr ordentlich. Dies führt dazu, dass er von anderen Soldaten abgeholt wird.

Medea

Medea berichtet ihrer Mutter im Fieberwahn von der erkalteten Beziehung zu Jason, der Verbannung aus Kreons Palast und der Wahrheit über die Ermordung der Königstochter Iphinoe. Danach berichtet Jason Medea von seiner Hilflosigkeit gegenüber dem Vorwurf des Brudermordes . Er steht seiner Frau zwiespältig gegenüber. Er erinnert sich einerseits an den Zauber der ersten Begegnung, gleichzeitig verurteilt Jason andererseits ihr überhebliches Verhalten.

 

Im Folgenden erzählt Agameda, dass sie nach dem Tod ihrer Mutter Medeas Schülerin wurde. Medeas distanzierte Haltung hat aber Hass in ihr geschürt. Zusammen mit Presbon beschuldigt sie daher Medea entgegen der Wahrheit und wider besseres Wissen mit Genugtuung des Brudermordes bei Akamas. Medea führt ein Zwiegespräch mit ihrem toten Bruder Absyrtos. Er wird deutlich, dass ihr Bruder sterben musste, um die Machtgier des Vaters zu stillen.

 

Akamas ist anfangs von Medea beeindruckt, hält sie aber auch für primitiv. Aus Eitelkeit erklärt er Medea das Funktionieren des korinthischen Staatswesens. Iphinoes Ermordung verteidigt er gegenüber Medea. Es gefällt ihm persönlich auch nicht, dass das Gerücht des Brudermordes im Umlauf ist, von Amts wegen dürfe er es aber nicht dementieren.

 

Glauke fühlt sich für den Ausbruch der Pest schuldig. Medea gegenüber ist sie wohlgesonnen, da sie ihr bei ihrer Epilepsie therapeutisch Beistand leistete. Von Kreon besonders beeinflusst, wächst ihre Abneigung gegen Medea. Verstärkt wird diese, als sie sich in Jason verliebt. Am Ende ihres Monologs hört sie Rufe, die Medea als Opfer fordern, und erleidet daraufhin einen epileptischen Anfall.

 

Leukon warnt Medea wiederholt vor der Gefahr, die von den Korinthern ausgeht. Als er erfährt, dass der Pöbel Medea durch die Straßen gejagt hat, bezichtigt er Akamas, Stimmung gegen Medea zu schüren. Allerdings weiß er auch, dass er dies Akamas nicht wird nachweisen können. Medea erzählt Leukon, wie sie auf der Flucht von Oistros aufgenommen wurde. Als dann ein Erdbeben stattfindet, bezichtigt Kreon Medea, schuld daran zu sein. Mir Lyssa unterhält sich Leukon dann über den Egoismus und die Falschheit der Regierungsriege in Korinth.

 

Medea wohnt mit Ekel der Opferung von Stieren zum Frühlingsfest bei. Kurz danach setzt sie durch, dass nur einer von mehreren geflohenen Gefangenen geopfert wird. Die folgende Mondfinsternis wird Medea angelastet. Unterdessen überfällt Turon das Frühlingsfest der Korintherinnen und wird entmannt. Daraufhin wird Medea als ihre Anführerin festgenommen.

 

Mit Scham erfährt Jason außerdem von Medeas Verhältnis zu Oistros. Medea wird in die Verbannung geschickt. Jason fordert danach vergeblich ein Schuldeingeständnis von Medea und vergewaltigt sie. Leukon ist voller Schmerz, da seine geliebte Arethusa an Pest starb. Glauke begeht indes Selbstmord, woraufhin Kreon alles Staatsgeschäfte Akamas überlässt. Jason verwahrlost währenddessen auf der Argo. Nach einigen Jahren taucht Arinna bei Medea und den Kolcherinnen auf und erzählt, dass Medeas Söhne gesteinigt wurden. Medea verflucht Korinth, fühlt sich aber keinem Land mehr zugehörig und ist am Ende einsam und auf sich allein gestellt.

Dantons Tod

Paris 1794. Die Französische Revolution ist im fünften Jahr, und der Wohlfahrtsausschuss mit Robespierre an der Spitze übt eine Schreckensherrschaft aus. Wer den Verdacht erregt, der Republik schaden zu wollen, muss um sein Leben fürchten.

 

Danton, der zwei Jahre zuvor als Justizminister die Revolutionstribunale ins Leben gerufen hatte, stellt sich mit seinen Anhängern Robespierre entgegen und fordert Milde. Das Blutvergießen müsse aufhören und die Revolution zugunsten einer friedlichen Republik enden.

 

Mit Robespierre und Danton treffen zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander. Robespierre, der Unbestechliche, verachtet Danton, der sich mit Prostituierten umgibt und ein zügelloses Leben führt. Er ist überzeugt von der natürlichen Tugend des Volkes und fürchtet, dass Dantons Lasterhaftigkeit eine zersetzende Macht auf das Volk habe – und damit auf die Republik. Danton wiederum verspottet Robespierres Tugendhaftigkeit, die er als Eitelkeit entlarvt.

 

Er weiß, dass er sich in Gefahr begibt, indem er sich dem Wohlfahrtsausschuss entgegenstellt, doch vertraut er auf seine Popularität beim Volk. Gleichzeitig liebäugelt er mit dem Gedanken an den Tod, der ihn von seinem Lebensüberdruss und seinem quälenden Gewissen erlösen würde. Die Erinnerung an die Septembermorde von 1792, die er nicht verhindert hat, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen.

 

Die Stimmung im Volk ist aufgeheizt. Der große politische Umsturz hat keine Besserung gebracht, die Menschen leiden weiterhin Hunger. Ihr Hass richtet sich gegen die Bürger, die von der Revolution profitiert haben, reich geworden sind und ein ausschweifendes Leben führen. Der Wohlfahrtsausschuss muss handeln, um das Volk zu beschwichtigen.

 

Robespierre zögert, doch St. Just überzeugt ihn von der Notwendigkeit, zu handeln. Robespierre gibt nach und lässt Danton und seine Anhänger festnehmen und vor das Revolutionsgericht stellen. Unter den Angeklagten ist Robespierres alter Schulkamerad Camille Desmoulins.

 

Dantons leidenschaftliche Verteidigungsreden ziehen Menschenmengen an und finden großen Beifall. Daher gibt St. Just Anstoß zu einem neuen Dekret, das es erlaubt, Angeklagte, die die Verhandlung stören, vom Prozess auszuschließen. Draußen vor dem Justizpalast wendet sich die Volksstimmung schließlich gegen Danton. Seine Freunde und er werden zum Tode verurteilt und unter dem Spott der Umstehenden hingerichtet.

 

Dantons Frau Julie begeht Selbstmord, Camilles Frau Lucile, die nach seiner Verhaftung wahnsinnig geworden ist, lässt sich als Royalistin verhaften. Der Tod durch die Guillotine ist auch ihr sicher.

Maria Stuart

In Friedrich Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ von 1800 geht es um die rivalisierenden Königinnen Elisabeth und Maria. Maria, die schottische Königin, wurde in einem Gerichtsverfahren wegen der Ermordung ihres Ehemanns zum Tode verurteilt. Die englische Königin Elisabeth muss dieses Urteil nur noch unterzeichnen, damit es vollstreckt werden kann.

 

Maria Stuart ist auf dem Schloss zu Fotheringhay gefangen und wird vom Ritter Paulet bewacht. Von dessen Neffen Mortimer erfährt sie, dass sie vor Gericht schuldig gesprochen wurde. Wenig später teilt ihr Lord Burleigh das Urteil auch offiziell mit. Maria wirft dabei die Frage nach der Echtheit der gegen sie vorgebrachten Beweise auf.

 

Mortimer will Maria Stuart aus der Gefangenschaft retten und übermittelt für sie einen Brief an den Grafen Leicester, den einzigen, dem Maria zutraut, ihr noch helfen zu können. Leicester weigert sich jedoch, sich an Mortimers Rettungsaktion zu beteiligen, und will Elisabeth stattdessen zu einem Treffen mit Maria überreden. Elisabeth, die bald mit einem Franzosen verheiratet wird, zögert, das Urteil zu unterzeichnen.

 

Das Treffen beider Königinnen endet in einem Disput.  Es ist jetzt kaum noch wahrscheinlich, dass Maria begnadigt wird. Als sich kurz darauf ein Mordanschlag auf die englische Königin ereignet – als Täter wird ein Franzose identifiziert -, wird ihre geplante Hochzeit abgesagt. Elisabeth unterzeichnet schließlich auch das Urteil gegen Maria und übergibt es Davison zur Verwahrung. Dieser lässt sich die Schrift von Lord Burleigh abnehmen, der somit die Vollstreckung des Urteils in die Wege leitet. Kurz bevor Maria hingerichtet wird, verabschiedet sie sich von ihren Bediensteten und legt ihre letzte Beichte ab.

Währenddessen hat der Graf von Shrewsbury herausgefunden, dass die gegen Maria vorgelegten Beweise nicht echt waren. Doch da ist es bereits zu spät, Maria Stuart wurde hingerichtet.

Faust I

Der etablierte und anerkannte Wissenschaftler Heinrich Faust sucht trotz seiner höchst umfangreichen Bildung nach einer höheren Erkenntnis des Daseins. Rastlos studiert er sämtliche Wissenschaften, versucht sich in der Magie, um am Ende, immer noch unbefriedigt, vollkommen zu verzweifeln.

 

Dem Selbstmord nahe, verleitet ihn allein der tröstliche Klang der Osterglocken zu einem Spaziergang in die freie Natur, umgeben von dem lebensfrohen Treiben der Stadtbürger. Doch Faust kann sich nicht in das genussvolle Leben hineinstürzen.

 

Wieder vertieft er sich in seine Studien, als er plötzlich bemerkt, dass ihm ein schwarzer Pudel bis ins Studierzimmer gefolgt ist. Dieser gibt sich als der Teufel Mephistopheles zu erkennen, der Faust einen Pakt vorschlägt: Wenn Faust verspreche, ihm im Jenseits für immer zu dienen, werde er ihm auf Erden Glück in sinnlichen Genüssen verschaffen.

 

Faust willigt ein, wettet aber mit Mephistopheles, dass dieser es nicht schaffen werde, ihn auch nur für einen Moment glücklich zu machen. Doch weder die Lust des Trinkens in Auerbachs Keller noch die obszöne körperliche Lust, die Mephistopheles ihm bietet, stellt Faust zufrieden.

 

Erst, als er in der Hexenküche einen Verjüngungstrank erhält und in einem Zauberspiegel das Bild einer wunderschönen Frau entdeckt, ist seine Begierde geweckt. Zukünftig wird jede Frau in Faust das gleiche Verlangen entfachen. Als Faust auf das einfache Bürgermädchen Margarete trifft, erfüllt sich Mephistopheles‘ Prophezeiung. Mit Mephistopheles‘ Hilfe werden heimliche Treffen herbeigeführt, sodass Faust Margarete ganz für sich gewinnen kann.

 

Margarete erfüllt eine tiefe Liebe zu Faust, doch spürt sie auch, dass ihr unmoralischer Lebenswandel sie nun um ihre einstige Ruhe bringt. Immer mehr verstrickt sie sich in ein sündhaftes Leben. Um eine ungestörte Liebesnacht mit Faust verbringen zu können, verabreicht sie ihrer Mutter ein Schlafmittel, das diese unglücklicherweise tötet. Ihr Bruder Valentin wird in einem Handgemenge durch Fausts Hand getötet. Vor seinem Tod sagt er voraus, dass sie ein Kind von Faust erwarte, welches sie töten werde.

 

Margarete versucht, Erlösung in ihrer Gläubigkeit zu finden, doch sie wird mit ihren Sünden und der Verurteilung dafür durch die Gesellschaft und durch Gott konfrontiert. So wartet sie im Kerker auf ihre Verurteilung. Faust, der zwischen seinem lustvollen Verlangen und dem Bedürfnis, Margarete aufrichtig zu lieben, zerrissen ist, wird von Mephistopheles zu einer wilden Walpurgisnacht verführt. Als er hier die Vision von Margaretes Schicksal vor Augen hat, will er sie aus dem Kerker befreien. Margarete, in wirren Reden gefangen, berichtet Faust davon, dass sie ihr Kind getötet habe. Sie widersetzt sich dem Befreiungsversuch und nimmt die Strafe Gottes und des Gesetzes an.

Aus dem Leben eines Taugenichts

 An einem Frühlingsmorgen wirft der Müller seinen Sohn, den Taugenichts, aus dem Haus, auf dass er endlich selbst seinen Lebensunterhalt verdienen soll. Er verlässt sein Heimatdorf, und zwei Damen nehmen ihn mit nach Wien. Dort erhält er zufällig eine Anstellung im Schlossgarten. Hier verliebt er sich in Aurelie, eine der beiden Damen, kommt allerdings nie in ihre Nähe.

 

Kurz darauf wird der Taugenichts ohne sein Zutun zum Zolleinnehmer befördert. Er legt jeden Abend im Schlossgarten einen Blumenstrauß für Aurelie ab, was erst endet, als er Aurelie einmal sieht, als sie die Blumen an sich nimmt. Eines Abends glaubt er durch die Nachricht einer Kammerjungfer, Aurelie wolle ihn treffen. Allerdings beobachtet er sie mit einem Mann auf einem Balkon. Er vermutet eine romantische Verbindung zwischen den beiden und verlässt enttäuscht Wien.

 

Er macht sich auf den Weg nach Italien. In einem Dorf trifft er zwei Reiter, die ihn zwingen, ihn nach B. zu führen. Es stellt sich heraus, dass sie die Maler Leonhard (der Graf) und Guido (Flora) sind, die ihn als Diener mit sich nehmen. Eines Nachts verschwinden die beiden, und der Taugenichts reist allein weiter. Er gelangt zu einem Schloss, wo man ihn für Flora hält und aufs Beste umsorgt. Doch dann trifft ein Brief Aurelies ein, der nicht an den Taugenichts adressiert ist, sondern an Flora. Sie schreibt, alle Hindernisse seien beseitigt, und ohne Flora sei das Leben am Hof öde. Der Taugenichts glaubt fälschlicherweise, der Brief sei für ihn bestimmt, und will deshalb das Schloss verlassen. Daraufhin will man ihn ermorden. Er kann jedoch fliehen.

 

Er kommt nach Rom und glaubt, Aurelie in einem Garten zu sehen. Am nächsten Tag trifft er auf einen jungen Maler, der behauptet, Aurelie sei in Rom. Auf einem Gartenfest erhält er die Einladung einer römischen Gräfin, glaubt aber, sie sei von Aurelie. Am vereinbarten Treffpunkt begegnet er wieder der Kammerjungfer, die dem Taugenichts offenbart, dass Aurelie wieder in Deutschland sei und ihn liebe.

 

Der Taugenichts macht sich auf den Weg nach Wien und trifft drei Musikanten, die eine Anstellung suchen. Einer der drei ist der Vetter des Portiers in Wien, und so reisen die vier zum Schloss. In Wien angelangt, wird der Taugenichts bereits im Schlosspark erwartet. Eine Gruppe Mädchen umringt ihn und singt ein Hochzeitslied. Er erfährt, dass Leonhard der Graf ist und Guido seine Geliebte Flora. Der Taugenichts war ein Köder, um den Spion der Mutter des Grafen abzuschütteln. Aurelie erzählt ihm, sie sei nicht die Tochter der Gräfin und als Waisenkind auf das Schloss gekommen. Der Taugenichts habe auf dem Balkon damals nur beobachtet, wie sie mit dem Grafen zusammenstand, der nun Flora heiratet. Der Taugenichts und Aurelie erhalten vom Grafen zur Hochzeit ein weißes Schlösschen, und der Taugenichts will mit ihr wieder nach Italien.

Agnes

Der Roman „Agnes“ von Peter Stamm handelt von einer tragisch endenden Liebesbeziehung.

 

Im April lernt der Icherzähler Agnes in der Chicagoer Public Library kennen, wo er für die Sachbücher recherchiert, die er beruflich schreibt. Zwischen der jungen Physikerin und dem schweizerischen Schriftsteller entwickelt sich bald eine Beziehung.

 

Agnes spricht mit dem Erzähler häufig über ihre Ängste, ihre schwierige Beziehung zu ihren Eltern, und gemeinsam philosophieren sie über die Endgültigkeit des Todes.

 

Das Paar unternimmt öfter Spaziergänge oder macht Ausflüge in der Natur.

 

Eines Tages kommt Agnes auf die Idee, der Erzähler solle eine Geschichte über sie schreiben. Er lässt sich darauf ein. Heftig verliebt, schreibt er die Geschichte über sie und seine Erlebnisse mit ihr. Doch er erreicht einen Punkt, an dem seine Geschichte die Realität überholt. Von nun an kreiert er die fiktive Figur „Agnes“ neben der echten Frau.

 

Für eine Weile passen der Icherzähler und Agnes ihre Wirklichkeit der fiktiven Geschichte an. Doch dann prallen Fiktion und Realität aufeinander: Agnes wird unerwartet schwanger. Als der Erzähler damit nicht zurechtkommt, trennen sich die beiden. Der Icherzähler flüchtet sich in eine Affäre mit Louise, die er an Halloween kennengelernt hat.

 

Als Agnes eine Fehlgeburt hat, will der Erzähler aber wieder für sie da sein. Die beiden kommen erneut zusammen. Agnes zieht wieder beim Erzähler ein. Doch sie leidet extrem unter der Fehlgeburt. Sie bittet ihn, das Kind, das sie nicht haben konnte, stattdessen in der Geschichte zu erschaffen. Erst nach einer Weile realisiert sie, dass auch diese Fantasie sie nicht glücklich macht.

 

In den Tagen nach Weihnachten erkältet Agnes sich stark. Der Erzähler schreibt zwei unterschiedliche Enden für die Geschichte: ein klassisches Happy End und ein alternatives, in welchem Agnes, mit ihrem Wintermantel bekleidet, in einen verschneiten Wald geht und den freiwilligen Kältetod wählt. Er liest ihr die erste Version vor, in der die Geschichte glücklich endet. Doch beide sind damit nicht zufrieden.

 

Als der Erzähler nach einer Silvesterparty, die er mit Louise verbracht hat, nach Hause kommt, ist das Dokument mit dem alternativen Ende auf dem Computer geöffnet. Agnes ist nicht mehr da, auch fehlt ihr Wintermantel. Sie wird nie wieder zurückkommen.

Andorra

Die Handlung von Max Frischs „Andorra“ beginnt am Vortag des Sankt-Georgtags. Barblin, die Tochter des Lehrers, weißelt ein Haus. Dabei wird sie von dem Soldaten belästigt.

 

Der Pater taucht auf. Er wundert sich, warum Barblins Vater in letzter Zeit so viel trinkt und verurteilt die Einschätzung des Lehrers, die Andorraner wären nicht besser als die Schwarzen. Der Lehrer und der Tischler handeln die Konditionen für eine Ausbildung Andris als Tischler aus. Später streitet sich Andri mit dem Soldaten um Barblin.

 

In Barblins Kammer kann Andri am Abend nur über seine Diskriminierung durch die Andorraner nachdenken und darüber, ob ihre antisemitischen Vorurteile wahr sind. Andri hat die Ausbildungsstelle beim Tischler bekommen. Der Tischler erscheint und zerstört den Stuhl des Gesellen. Der noch ganze Stuhl ist von Andri, doch der Tischler wirft ihm Unfähigkeit vor und verlangt von ihm, dass er ab jetzt im Verkauf arbeiten solle, denn Juden könnten gut im Geld umgehen.

 

An einem anderen Tag hält Andri beim Lehrer um Barblin Hand an, was dieser ablehnt. In der Kneipe nimmt sich der Lehrer vor, den Andorraner einmal die Wahrheit über Andris Herkunft zu verraten. Später liegt Andri schlafend vor Barblins Kammer. Der Soldat schleicht sich an ihm vorbei in Barblin Zimmer und vergewaltigt sie.

 

Währenddessen tritt der betrunkene Lehrer auf und will Andri über seine Herkunft aufklären. Andri will davon aber nichts hören. Danach spricht Andri in der Sakristei mit dem Pater. Dieser rät ihm, sich selbst zu lieben, dann würden die anderen ihn auch akzeptieren. Später taucht die Senora auf und macht dem Lehrer heftige Vorwürfe, Andri als Jude ausgegeben zu haben.

 

Andri erfährt vom Pater die Wahrheit über seine Herkunft. Er ist kein Jude und die Senora ist seine Mutter. Währenddessen wurde die Senora ermordet. Die Andorraner halten Andri für den Täter.  Dann fallen die Schwarzen ins Land ein. Andri versteckt sich bei Barblin und wird ihr gegenüber zudringlich.

 

Die Schwarzen tauchen auf und führen Andri zur Judenschau. Dort wird Andri vom Judenschauer als Jude identifiziert, fortgebracht und ermordet. Am Ende weißelt Barblin, inzwischen wahnsinnig geworden, den Platz von Andorra. Der Lehrer hat sich das Leben genommen.

 

Prinz Friedrich von Homburg

Der Prinz von Homburg ist ein junger General und dem Kurfürsten Brandenburgs unterstellt. Nach einem Feldzug ist er erschöpft und befindet sich in einem schlafwandlerischen Zustand, woraufhin sich der Kurfürst und sein Gefolge Scherze mit ihm erlauben.

 

Als bei der Besprechung des nächsten Kriegsgefechts im Kriegsrat die Aufgaben verteilt und die Anweisungen gegeben werden, ist der Prinz derart verwirrt und abgelenkt, dass er die ihm zugeteilte Rolle in Bezug auf den Kampf überhört. Er soll den Feind nicht ohne ausdrückliche Order des Fürsten angreifen. Entgegen dieser Anweisung gibt er den Befehl zum Angriff auf den schwedischen Gegner. Er erzielt einen Sieg für Brandenburg gegen Schweden in der Schlacht von Fehrbellin.

 

Der Kurfürst hingegen ist ganz und gar nicht erfreut über die Geschehnisse, da das Eingreifen Homburgs zwar die Schlacht positiv entscheiden konnte, jedoch den Sieg in Bezug auf den gesamten Krieg verhinderte und somit seine Pläne durchkreuzte. Er lässt den Prinzen verhaften und stellt ihn vor das Kriegsgericht, das ihn zum Tode verurteilt. Homburg glaubt zunächst nicht an eine Verurteilung, bekommt dann jedoch Angst und fleht beim Fürsten um sein Leben an. Dieser willigt erst dann ein, den Prinzen zu begnadigen, als ihn seine Nichte Natalie darum inständig bittet. Jedoch stellt er die Bedingung, Friedrich müsse bekunden, „unrecht“ behandelt worden zu sein.

 

Diese Frage veranlasst den Prinzen zum Umdenken. Nach einigem Hadern entschließt er sich, nicht einzuwilligen und zu sterben. Natalie gibt zur gleichen Zeit in einem Brief vor, der Fürst hätte befohlen, das von Oberst Kottwitz geführte Regiment zurück nach Fehrbellin zu beordern. Außerdem initiiert sie ein Bittschreiben für eine Begnadigung des Prinzen, das von allen Offizieren unterschrieben und dem Fürsten vorgelegt wird.

 

Angesichts des allgemeinen Drucks, der auf ihn ausgeübt wird, ist der Kurfürst bereit, seine Offiziere anzuhören. Es entbrennt eine heftige Diskussion darüber, wer schuld am Fehlverhalten Homburgs gewesen sei und ob man während einer Schlacht nach dem eigenen Gefühl handeln dürfe oder sich stets an das Gesetz halten müsse. Als der Kurfürst seine Offiziere abschließend befragt, ob sie sich auch weiterhin der Führung des Prinzen anvertrauen wollen, wird dies jubelnd von ihnen bejaht.

 

Der Prinz jedoch erfährt nichts von seiner Begnadigung. Mit verbundenen Augen wird er in einen Garten geführt und wartet auf seinen Tod. Stattdessen aber wird ihm von Prinzessin Natalie ein Lorbeerkranz aufgesetzt und eine Kette umgehängt, woraufhin er ohnmächtig wird. Als er wieder zu sich kommt, bejubeln die Offiziere den Prinzen von Homburg. Friedrich hingegen glaubt, dass dies alles nur ein Traum sei.

Der Besuch der alten Dame

Die völlig verarmte Gemeinde Güllen setzt ihre letzte finanzielle Hoffnung auf Claire Zachanassian, die reichste Frau der Welt, die einst in dem Dorf geboren wurde. Zachanassian stattet ihrem Heimatort einen Besuch ab, und während dieser Zeit soll ihr alter Jugendgeliebter Alfred Ill ihr charmant das Geld entlocken. Doch es kommt anders: Zachanassian offenbart nach ihrer Ankunft, dass Ill sie in ihrer Jugend geschwängert, verlassen und daraufhin den Vaterschaftsprozess zu seinen Gunsten beeinflusst habe. Als Wiedergutmachung für das Unrecht, das ihr durch Ill und Güllen angetan worden sei, fordert Zachanassian den Tod Ills. Als Belohnung verspricht sie der Gemeinde eine Milliarde.

 

Zunächst lehnen die Güllener das Angebot entrüstet ab, doch nach und nach beginnen sie, teure Kredite aufzunehmen, sodass Ill um sein Leben fürchtet. Er bittet den Polizisten, den Bürgermeister und den Pfarrer um Hilfe. Doch die öffentliche Stimmung ist längst umgeschlagen, Ills Mitbürger werfen ihm seine Verfehlungen vor und bemitleiden Zachanassian. Als Ill auf Empfehlung des Pfarrers hin versucht, per Zug aus Güllen zu fliehen, halten die Güllener ihn davon ab. Daraufhin bricht Ill zusammen und erkennt, dass er verloren ist.

 

Als sich herausstellt, dass Zachanassian Güllen längst aufgekauft und systematisch zugrunde gerichtet hat, um ihre Rache erst zu ermöglichen, bleibt den nun heillos verschuldeten Güllenern keine Wahl mehr. Doch Ill hat sich für mehrere Tage zurückgezogen und ist inzwischen mit sich im Reinen. Er akzeptiert seine Schuld und sein Schicksal und hindert sogar den betrunkenen Dorflehrer daran, angereisten Reportern den wahren Grund für Zachanassians Besuch zu verraten. Einzig der Bitte, er möge sich selbst töten, kommt Ill nicht nach. Diese Verantwortung will er den Güllenern nicht abnehmen.

 

Nach einer letzten Aussprache mit Zachanassian nimmt Ill an der entscheidenden Gemeindeversammlung teil. Diese findet im Beisein der Presse statt und ist als Stiftungsgründung getarnt. Dort wird Ill schließlich zum Tode verurteilt und von seinen sich um ihn scharenden Mitbürgern umgebracht. Die offizielle Todesursache lautet: Herzschlag aus Freude. Zachanassian reist mit Ills Leiche ab, die sie auf ihrem Anwesen auf Capri bestatten will, und die Güllener feiern ihren neu gewonnenen Wohlstand.

Klein Zaches, genannt Zinnober

„Klein Zaches genannt Zinnober“ ist ein Kunstmärchen von E.T.A. aus dem Jahr 1819. Es handelt von Klein Zaches, der durch den Zauber einer Fee die Gabe erhält, dass ihm alle Verdienste, Taten und positiven Eigenschaften derjenigen zugerechnet werden, die ihn umgeben. Da er dadurch sehr schnell aufsteigt und auch die Geliebte Balthasars zu täuschen weiß, sucht dieser zusammen mit Pulcher, Fabian und Adrian nach dem Geheimnis des Zaubers, um es zu brechen.

 

Pulcher und Adrian entdecken, dass Klein Zaches alle neun Tage von der Fee Rosabelverde mit einem goldenen Kamm gekämmt werden muss, damit der Zauber aufrechterhalten bleibt. Mithilfe des Zauberers Prosper Alpanus schaffen sie es, den goldenen Kamm zu vernichten und den Zauber zu brechen. Klein Zaches wird daraufhin verstoßen und ertrinkt in seinem Nachttopf. Am Ende kann Balthasar seine Angebetete heiraten und alles findet ein glückliches Ende.

Die Verwandlung

In der Erzählung „Die Verwandlung“ von Franz Kafka, erstmals veröffentlicht im Jahr 1915, geht es um Gregor Samsa, der eines Morgens, zu einem Ungeziefer verwandelt, in seinem Zimmer in der Wohnung seiner Eltern aufwacht. Nach mehrmonatigem Leiden als Insekt verstirbt er schließlich, schwach und mager geworden, in seinem Zimmer.

 

Nachdem es Gregor am Morgen seiner Verwandlung unter Anstrengungen gelungen ist, seine Zimmertür zu öffnen, reagieren seine Familienangehörigen geschockt auf seine Verwandlung. Der Vater weint, und die Mutter wird ohnmächtig. Auch der Prokurist, ein Arbeitskollege Samsas, der gekommen ist, um sich über den Grund für Gregors Fernbleiben zu informieren, verlässt bei dessen Anblick fluchtartig das Haus. In der folgenden Zeit versorgt seine jüngere Schwester Grete Gregor Samsa mit Nahrung. Sie ist die Einzige, die den Raum ihres Bruders noch betritt.

 

Mit den Ersparnissen des Vaters, der mittlerweile in Rente ist, kann die Familie noch einige Zeit über die Runden kommen. Zuvor war es Gregor Samsa gewesen, der als Reisender den Lebensunterhalt für die Familie erwirtschaftet hat. Dennoch wird das Geld für alle bald knapp, und mit der Zeit wird Gregor Samsa immer mehr vernachlässigt; auch sein Zimmer ist mittlerweile zu einer Abstellkammer geworden.

 

Die Familienmitglieder suchen sich schließlich Arbeit und vermieten einen Raum ihrer Wohnung an drei Zimmerherren, die viel Wert auf Ordnung legen. Als Gregor Samsa eines Tages sein Zimmer verlässt, angezogen durch das Violinenspiel seiner Schwester, wird er von den Zimmerherren entdeckt, die den Mietvertrag sofort kündigen. Innerhalb der Familie kommt der Wunsch danach auf, Gregor loszuwerden. Gregor verstirbt noch in dieser Nacht, schwach und abgemagert, in seinem Raum. Die Familie Samsa plant ihre Zukunft ohne Gregor und will umziehen.

Im Krebsgang

Der Journalist Paul Pokriefke schreibt eine Geschichte auf, die mit seinem Leben verknüpft ist:
Das Schiff „Wilhelm Gustloff“, benannt nach einem Nationalsozialisten, der von dem jüdischen Studenten David Frankfurter erschossen wurde, ist 1945 auf dem Weg von Danzig nach Kolberg. Es wird von sowjetischen U-Boot-Torpedos getroffen und geht unter. An Bord sind Tausende deutsche Flüchtlinge, Matrosen und Marinehelferinnen.

 

Unter den Flüchtlingen ist auch die Mutter des Erzählers, Tulla Pokriefke. Sie ist hochschwanger und bringt in der Nacht vom 30. zum 31. Januar 1945 Paul auf einem Rettungsboot zur Welt. Währenddessen sinkt die „Wilhelm Gustloff“ und Abertausende Menschen sterben. Doch Tulla überlebt. Sie ist bis heute nicht müde, ihre Geschichte zu erzählen. Über die Tabuisierung der tragischen Flüchtlingsschicksale Ende des Zweiten Weltkrieges ist sie enttäuscht.

 

Tulla lebt jetzt, in den späten 1990er-Jahren, in Schwerin, zusammen mit ihrem Enkel Konny. Konny ist von seiner Mutter, der Ex-Frau des Erzählers, weggezogen. Er betreibt eine rechtsradikale Website, auf der er Wilhelm Gustloff und die Geschichte des Schiffes glorifiziert.

 

Durch berufliche Internetrecherchen stößt Paul auf die Website und bemerkt, dass es sich bei dem Betreiber um seinen Sohn handelt – er erkennt nämlich die Worte seiner Mutter Tulla wieder. Im Chatroom streitet Konny sich mit dem angeblichen Juden „David“, der ebenso viel Interesse an der Geschichte der „Wilhelm Gustloff“ hat wie Konny, aber eine gegensätzliche politische Meinung vertritt. Die beiden Jungs verabreden sich schließlich in Schwerin, dem Geburtsort Wilhelm Gustloffs. Bei dem Treffen erschießt Konny seinen Feind-Freund, der eigentlich Wolfgang heißt, nachdem dieser auf die ehemalige Gedenkstätte Wilhelm Gustloffs gespuckt hat.

 

Konny kommt für seine Tat sieben Jahre lang ins Gefängnis. Einige Zeit vergeht, doch Konny ist immer noch besessen von der Geschichte der „Wilhelm Gustloff“. Paul macht sich Sorgen um seinen Sohn und fragt sich, inwiefern er Schuld an dessen Entwicklung trägt. Er, der nie seinen Vater gekannt hat, war selbst so gut wie nie für seinen Sohn da.

 

Als Paul wieder im Internet recherchiert, stellt er entsetzt fest, dass es nun eine neue Website gibt: Auf dieser wird sein Sohn Konny von Rechtsradikalen als Held und Vorbild gefeiert.

Michael Kohlhaas

Der Pferdehändler Michael Kohlhaas überschreitet an der Tronkenburg die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen. Dort verlangt Junker Wenzel von Tronka einen Passierschein. Da Kohlhaas diesen nicht besitzt, lässt er seinen Knecht Herse mit zwei Pferden als Pfand zurück, bis er den fehlenden Passierschein besorgt hat. Dann erfährt er, dass der Junker gelogen hat, daher macht er sich auf den Rückweg zur Tronkenburg. Dort findet er seine Pferde in einem jämmerlichen Zustand vor. Trotzdem verlässt er die Tronkenburg unverrichteter Dinge, aber mit dem Ziel, Gerechtigkeit erwirken zu wollen.

Er kehrt auf sein Gut zurück. Herse berichtet ihm, wie er auf der Tronkenburg misshandelt und verjagt wurde. Daher will Kohlhaas nun Rechtsmittel einlegen. Allerdings wird seine Klage sowohl in Dresden als auch in Berlin abgeschmettert, da dort jeweils Verwandte des Junkers Wenzel von Tronka Einfluss nehmen. Als seine Frau mit einer Bittschrift nach Berlin reist, kehrt sie schwer verletzt zurück und stirbt.

Nach der Beerdigung seiner Frau überfällt Kohlhaas die Tronkenburg und brennt sie nieder. Allerdings kann der Junker in das Frauenstift seiner Tante fliehen. Er verfolgt ihn bis nach Wittenberg und setzt die Stadt in Brand. In einem Mandat schildert er dem Volk die ihm widerfahrenen Ungerechtigkeiten. Das ist der Auslöser dafür, dass sich die Bewohner Wittenbergs gegen den Junker stellen. Indes wird die Flucht des Junkers nach Leipzig vorgetäuscht, daher legt Kohlhaas auch dort Feuer. Mit seiner großen Räuberbande lässt er sich im Schloss Lützen nieder.

Gleichzeitig lässt Martin Luther im ganzen Land Plakate anschlagen, in denen er Kohlhaas als einen räuberischen Mörder bezeichnet. Kurz darauf besucht Kohlhaas Luther. Nach dem Gespräch verschafft Luther Kohlhaas Amnestie in Dresden. Dort tauchen die Pferde von Kohlhaas wieder auf, allerdings in einem katastrophalen Zustand. Inzwischen raubt und brandschatzt sein Kampfgefährte Nagelschmidt in Kohlhaas Namen in Sachsen. Als Nagelschmidt auch noch Kontakt zu ihm aufnimmt und Kohlhaas ihm antwortet, wird er in Dresden zum Tode verurteilt.

Allerdings erhebt der Kurfürst von Brandenburg Einspruch gegen das Dresdner Urteil. Deshalb wird Kohlhaas nach Berlin ausgeliefert. Auf dem Weg trifft er den Kurfürsten von Sachsen, der erfolglos probiert, die Weissagung einer Zigeunerin von Kohlhaas zu bekommen. In Berlin fällt das Todesurteil gegen Kohlhaas. Allerdings erfährt er vor seiner Hinrichtung, dass er in der Rechtssache mit Wenzel von Tronka Recht bekommen hat. Neben dem Schafott isst er vor den Augen des sächsischen Kurfürsten die Weissagung. Dann wird Kohlhaas hingerichtet.

Die Marquise von O…

„Die Marquise von O…“, eine Novelle von Heinrich von Kleist, ist die Geschichte über eine verwitwete adlige Frau, die schwanger wird, ohne zu wissen, wie es dazu kam, und über die Konsequenzen, welche diese Schwangerschaft für ihr Leben hat.

Die Marquise von O… bewohnt mit ihren Eltern und ihren beiden Töchtern das Schloss von M…, einem Ort im Oberitalien. Ihr Vater ist der Obrist von G… und der Kommandant der Zitadelle von M…

Es herrscht Krieg, und russische Truppen besetzen die Zitadelle. Während der Kämpfe wird die Marquise beinahe von russischen Scharfschützen vergewaltigt, doch der Graf F…, ein russischer Offizier, bringt die vor Schock bewusstlos werdende Marquise in Sicherheit.

Die Familie zieht in ein Stadthaus in M… Während der nächsten Monate beginnt die Marquise, sich schwanger zu fühlen. Sie kann sich das nicht erklären und will nicht daran glauben. In dieser Zeit kommt der Graf F… in das Stadthaus und hält um die Hand der Marquise an. Die Familie wundert sich sehr, will dem Grafen aber keine eindeutige Absage erteilen.

Schließlich bestätigt sich die Schwangerschaft der Marquise. Sie wird daraufhin von ihrer Familie verstoßen und zieht mit ihren Töchtern aus erster Ehe auf ihren alten Landsitz in V…. Dort kommt wieder der Graf F… zu Besuch, um ihr einen weiteren Heiratsantrag zu machen, doch die Marquise lehnt auch diesen ab.

Sie setzt eine Annonce in die Zeitung, in der sie nach dem unbekannten Erzeuger ihres ungeborenen Kindes sucht. Ein Mann beantwortet, ebenfalls in der Zeitung, die Annonce und fordert die Marquise auf, in ihr Elternhaus zu kommen. Dort würde er sich zu erkennen geben.

Die Mutter der Marquise unternimmt unterdessen eine Reise nach V… und kommt im Gespräch mit ihrer Tochter zu dem Schluss, dass deren Gewissen tatsächlich rein ist. Mutter und Tochter kehren zurück nach M…, wo sich auch der Vater wieder mit der Marquise versöhnt.

Als der bisher unbekannte Erzeuger zum vereinbarten Termin erscheint, stellt sich heraus, dass es sich bei dem Gesuchten um den Grafen F… handelt. Er hatte nach der Rettung der Marquise vor den Vergewaltigern selbst die Marquise geschwängert. Nun drängt die Familie gegen den Willen der Marquise auf eine Hochzeit. Am nächsten Tag werden der Graf F… und die Marquise vermählt. Doch erst nach einem Jahr schafft es die ehemalige Marquise von O…, jetzt Gräfin von F…, ihren Ehemann sich ihr annähern zu lassen. Die beiden führen von da an eine glückliche Ehe.

 

Kleider machen Leute

Der arbeitslose Schneidergeselle Wenzel Strapinski wandert auf der Straße von Seldwyla nach Goldach, als er einen Kutscher trifft, der ihn mitnimmt. In Goldach angekommen, wird er von den Wirtsleuten des Gasthauses „Zur Waage“ wegen seiner extravaganten Kleidung, seiner feinen Art und der Ankunft in einer edlen Kutsche für einen polnischen Grafen gehalten. Ohne das Missverständnis aufzuklären, betritt er schließlich das Gasthaus und stillt seinen großen Hunger und seinen Durst.

 

Das Gerücht, Wenzel sei ein Graf, spricht sich innerhalb des kleinen Ortes schnell herum. Wenzel macht die Bekanntschaft der Goldacher Gesellschaft und feiner Herren, die sich seiner Person annehmen, ihn zu Zigarren einladen und einen Ausflug zum Gut des Amtsrates mit ihm unternehmen wollen. Während die meisten sämtliche seiner Verhaltensweisen falsch interpretieren und ihn tatsächlich für adelig halten, zeigt sich der ortsansässige Buchhalter Melcher Böhni zunehmend skeptisch.

 

Wenzel wird nicht nur dem Amtsrat, sondern auch dessen Tochter Nettchen vorgestellt, und verliebt sich sofort in das schöne junge Mädchen. Auch sie zeigt echtes Interesse an dem exotisch anmutenden Mann. Um ihr zu gefallen und ihrem extravaganten Männergeschmack zu genügen, spielt er die Grafenrolle mit. Als die beiden sich verloben, veranlasst Böhni, der selbst seit langer Zeit um Nettchen wirbt, den vermeintlichen Grafen im Zuge eines feierlichen Maskentanzes unter dem Motto „Kleider machen Leute – Leute machen Kleider“ zu enttarnen. Es kommt heraus, dass Wenzel eigentlich ein armer Schneidergeselle und die Grafengeschichte reine Erfindung ist.

 

Strapinski sieht sich zutiefst gedemütigt und verlässt den Ort. Mitten im Wald will er den Erfrierungstod finden. Nettchen jedoch macht sich auf die Suche nach ihrem Verlobten und rettet ihm schließlich das Leben. Die beiden sprechen sich aus, sie erfährt Wenzels Lebensgeschichte und entschließt sich dazu, ihn trotz allem zu heiraten.

 

Die Tochter des Amtsrates veranlasst, dass Strapinski mit ihr nach Seldwyla, dem Nachbarort Goldachs, zieht. Sie verwendet das Erbe ihrer Mutter, um seine Karriere aufzubauen, und Wenzel gründet in dem kleinen Ort ein florierendes Schneiderunternehmen. Nach etwa zehn bis zwölf Jahren kehrt das Paar mit einer Kinderschar und einem stattlichen Vermögen nach Goldach zurück, um fortan dort zu leben.

Jakob der Lügner

Der Erzähler führt den Leser in die Handlung ein, schildert jedoch keine grausamen Szenen, sondern beklagt, dass es im Getto keine Bäume gibt. Außerdem erwähnt er Jakob, ohne den es diese Geschichte nicht geben würde.

 

Dann befindet sich Jakob im Getto auf der Straße. Ein Wachposten hält ihn an und beschuldigt ihn, gegen die Sperrstunde zu verstoßen. Jakob muss sich in das Haus des Wachhabenden begeben und sich eine Strafe abholen. Dort hört Jakob im Radio die Nachricht von der nahenden Roten Armee. Der Wachhabende stellt fest, dass der Wachposten sich einen Scherz erlaubt hat, denn es ist noch nicht acht Uhr. Jakob kann ohne Bestrafung nach Hause gehen.

 

Tags darauf arbeitet Jakob mit Mischa auf dem Güterbahnhof. Mischa will aus einem Waggon Kartoffeln stehlen. Jakob hält ihn davon ab, indem er ihm von dem Aufmarsch der Russen erzählt und überdies ein eigenes Radio erfindet. In der Mittagspause will Jakob die Sache richtigstellen, aber da hat Mischa längst Kowalski davon erzählt. Jakob kann seiner Lüge nun nicht mehr entkommen.

 

Danach besucht Mischa die Familie Frankfurter. Er will ihr von dem Vorrücken der Russen erzählen und um Rosa Frankfurters Hand anhalten. Als er von Jakobs Radio erzählt, ist Felix Frankfurter wie erstarrt. Er zerstört sein eigenes Radio, das er heimlich aufbewahrt hat. Berauscht von der Aussicht auf Befreiung, schmieden Rosa und Mischa Zukunftspläne.

 

Plötzlich gibt es einen Stromausfall im Getto. Doch bei Kowalski gibt es noch Strom, doch Jakob kann sich mit klugen Ausreden davon befreien, das Radio dorthin bringen zu müssen. Jakob kann das Radio ruhen lassen. Um dennoch an weitere Informationen zu kommen, stiehlt Jakob von der Toilette der Deutschen eine Zeitung, die sich aber als unnütz erweist.

 

Eines Tages schleicht sich Herschel Schtamm zu einem Waggon mit Gefangenen auf dem Bahnhof und erzählt ihnen von der nahenden Befreiung. Dabei wird er erschossen. Am selben Tag erwischt Jakob Lina, die in seinem Zimmer das Radio sucht. Er lässt sich erweichen und spielt hinter einer Wand mit Geräuschen ein Radio nach. Lina schaut jedoch hinter die Wand und entdeckt den Schwindel. Prof. Kirschbaum soll Gestapochef Hardtloff helfen. Er hat Angst, bei einer missglückten Behandlung ermordet zu werden, und begeht daher Selbstmord. Kurz danach werden Rosas Eltern deportiert, Mischa kann Rosa vor diesem Schicksal retten. Jakob beschließt, das Radio sterben zu lassen, und erzählt Kowalski, dass das Radio von ihm erfunden war. Kowalski begeht daraufhin Selbstmord.

 

Es gibt zwei Enden: Beim ordentlichen Ende wird Jakob am Zaun erschossen, als die Rote Armee das Getto befreit. Beim nichtswürdigen Ende werden alle Gettobewohner deportiert. Im Zug trifft Jakob den Erzähler und erzählt ihm seine Geschichte.